UKRAINE-KRIEG

Kiew greift auf der Krim mit Drohnen an „Memorial“ im Visier von Putin Wagner fordert Hilfe in Bachmut

von Redaktion

Russland hat nach eigenen Angaben am Montagabend ukrainische Drohnen auf der Halbinsel Krim nahe der Stadt Dschankoj abgeschossen. Alle Drohnen hätten auf zivile Infrastruktur gezielt, erklärte das russische Ermittlungskomitee. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur der Krim vermeldete einen Verletzten durch Trümmer. Das Verteidigungsministerium in Kiew hingegen betonte, der Angriff habe einem Raketentransport auf Bahngleisen gegolten, dabei seien russische Kalibr-NK-Lenkwaffen zerstört worden. Damit werde die Krim auf die Befreiung vorbereitet. Russland betreibt in der Gegend von Dschankoj einen Stützpunkt. Im August 2022 war es dort zu einer Explosion eines Munitionslagers gekommen.

In Moskau hat die russische Polizei die Wohnungen führender Bürgerrechtler der 2022 mit dem Friedensnobelpreis geehrten Organisation Memorial durchsucht. Das Online-Portal OWD-Info berichtete von Ermittlungen an mindestens sechs Adressen. Die Justiz wirft der Organisation „Rehabilitierung des Nazismus“ vor. Betroffen ist auch der Memorial-Vorsitzende Jan Ratschinski, der bei der Entgegennahme des Nobelpreises im Dezember Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilte. Die international angesehene Menschenrechtsorganisation wurde 2021 von Russlands Behörden aufgelöst. Memorial lehnte es ab, den umstrittenen Titel „ausländischer Agent“ zu tragen. Memorial ist für die Aufarbeitung von Verbrechen der kommunistischen Gewaltherrschaft bekannt. Bei den aktuellen Ermittlungen gehe es nach Angaben der Behörden um den Verdacht, dass Memorial in seine Opferlisten auch Menschen aufgenommen habe, die im Zweiten Weltkrieg mit Nazi-Deutschland kooperierten.

Im Kampf um Bachmut im östlichen Donezk ruft die russische Privatarmee Wagner das Verteidigungsministerium in Moskau zu Hilfe. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin warnte in einem am Montag veröffentlichten Brief an Verteidigungsminister Sergej Schoigu vor einer bevorstehenden ukrainischen Offensive mit dem Ziel, die Wagner-Truppen von der russischen Armee abzuschneiden. Schoigu müsse das verhindern, man brauche in Bachmut Verstärkung. In der Ukraine hingegen herrscht Zuversicht, Bachmut verteidigen zu können. Britischen Geheimdiensten zufolge dürften in den nächsten Wochen wohl tausende in Gefängnissen angeworbene Wagner-Söldner begnadigt und freigelassen werden. Ihre sechsmonatige Dienstzeit läuft dann aus. Das sei nicht nur für die Gruppe Wagner ein Problem, sondern auch für die russische Gesellschaft, die nun teils gewalttätige Straftäter mit traumatischen Kriegserfahrungen integrieren müsse.

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