Deutschlandticket: Das müssen Sie wissen

von Redaktion

München – Am Montag beginnt der Verkauf des Deutschlandtickets. Man zahlt 49 Euro im Monat und kann in ganz Deutschland unterwegs sein – wenn man gewisse Regeln beachtet. Vor allem Pendler können mitunter gewaltige Summen sparen. Wir klären zusammen mit MVV-Chef Bernd Rosenbusch die wichtigsten Fragen.

Wann kommt das Deutschlandticket?

Das Deutschlandticket kann ab 1. Mai genutzt werden.

Wie viel kostet das Deutschlandticket?

Das Ticket ist nur im Abo erhältlich und kostet 49 Euro pro Monat. Pro Jahr sind das 588 Euro.

Gibt es Freimonate oder andere Vergünstigungen?

Nein, einen Rabatt bei jährlichem Bezug gibt es nicht.

Wo gilt das Ticket?

Es gilt bundesweit im Nah- und Regionalverkehr. Dazu zählen etwa Stadt- und Regionalbusse, U-Bahnen, Trambahnen und Regionalzüge. Aber nur in der 2. Klasse. Im DB-Fernverkehr (etwa IC, EC und ICE), in Fernbussen, bei Anbietern wie FlixTrain oder Westbahn kann das Ticket nicht genutzt werden.

Ist das Ticket übertragbar?

Nein. Wer ein übertragbares Ticket will, muss bei den herkömmlichen MVV-Monatskarten bleiben. Kinder unter sechs Jahren dürfen aber kostenlos mitfahren.

Gilt es auch im Ausland?

Faustformel: Das Deutschlandticket gilt dort, wo bisher das Bayernticket gültig ist. Das Ticket erstreckt sich auch auf Grenzorte, etwa Kufstein oder Salzburg, aber nicht darüber hinaus. „Auf der Strecke der Werdenfelsbahn ist hinter Mittenwald Schluss – man darf nicht nach Scharnitz oder Seefeld weiterfahren“, sagt MVV-Chef Bernd Rosenbusch. Auf der Strecke der Außerfernbahn gilt es hingegen.

Wo kann ich das Deutschlandticket bestellen?

Das Deutschlandticket ist ein digitales Ticket. Es wird online vertrieben und kann bei den Anbietern gekauft werden, zum Beispiel über die App der Deutschen Bahn, der MVG, des MVV oder der BRB. Es ist nur als Handy-Ticket oder Chipkarte erhältlich. Die MVG wird eine Chipkarte erst im Sommer verschicken, solange kann man sich über das Kundenportal ein Papierticket ausdrucken. Ein Kauf am Automaten ist nicht möglich.

Wird ein bestehendes MVV-Abo automatisch umgestellt?

Nein. Sie entscheiden selbst, ob Sie umstellen – denn wenn Ihnen die Übertragbarkeit oder Mitnahme-Möglichkeiten beim bisherigen Abo wichtig sind, rentiert es sich vielleicht, beim alten Ticket zu bleiben. Jeder MVV-Abonnent wird vorab informiert. Auch die Deutsche Bahn verschickt Infoschreiben.

Wird das Deutschlandticket mit dem bisherigen Abo verrechnet?

Ja. Bei Jahreszahlern gibt es Rückerstattungen, dabei wird die zwischenzeitliche Tariferhöhung im Dezember 2022 berücksichtigt. Hierzu ein Beispiel: In der M-Zone kostete das Abo im Jahrespreis im Tarif 2022 noch 561 Euro, im Tarif 2023 waren es 597 Euro. Angenommen, man wechselt zum 1. Mai zum Deutschlandticket: Bei Abo-Beginn am 1. August 2022 zum Beispiel beträgt die Rückerstattung 57,97 Euro, bei Abo-Beginn am 1. Januar 2023 werden 366,16 Euro erstattet.

Angenommen, ich habe ein Jahresabo mit monatlicher Zahlungsweise, ich will zum Deutschlandticket wechseln, aber meine beiden Freimonate würden erst danach anfallen? Wird das auch beim Preis berücksichtigt?

Nein. Ein Wechsel in den Freimonaten lohnt sich nicht, da für Freimonate keine Erstattung erfolgt, sie verfallen unter Umständen. Das muss man beim Wechsel bedenken. Welche Freimonate man hat, sieht man an den fehlenden Abbuchungen auf dem Girokonto oder man erkundigt sich im Abo-Center.

Was ist mit Hunden und Fahrrädern?

Das ist in jedem Verbund unterschiedlich geregelt. Im MVV-Tarifgebiet gilt: Ein Hund darf kostenlos mitfahren. Fahrräder dürfen nur zu bestimmten Zeiten in die U-/S-Bahn sowie in freigegebenen Regionalzügen mitgenommen werden, sonst benötigt man ein eigenes Ticket. Im MVV kostet es derzeit 3,30 Euro. Bei anderen Unternehmen kann es mehr kosten. Ministerpräsident Markus Söder hat kürzlich ein Ein-Euro-Ticket für die Fahrradmitnahme angekündigt. In Bus und Tram können Fahrräder nicht befördert werden.

Welche Fristen muss ich bei Bestellung oder Kündigung beachten?

Abostart ist immer der erste Tag eines Monats. Sie müssen das Deutschlandticket in der Regel bis zum 25. Kalendertag eines Monats bestellen, damit es im darauffolgenden Monat gültig ist. Ausnahmen sind möglich, jedes Verkehrsunternehmen kann selbst entscheiden. Das Deutschlandticket ist jederzeit kündbar. Sie müssen das Ticket bis zum 10. Kalendertag eines Monats kündigen, damit die Kündigung zum darauffolgenden Monat gültig ist.

Was benötige ich bei einer Fahrscheinkontrolle?

Bei einer Fahrscheinprüfung müssen Sie Ihr Deutschlandticket und einen amtlichen Lichtbildausweis vorzeigen.

Wird das Deutschlandticket dauerhaft 49 Euro kosten?

Das ist nicht sicher. 2024 dürfte es weiterhin 49 Euro kosten, danach ist zu befürchten, dass es teurer wird. Gespräche der Verkehrsministerkonferenz haben gezeigt: Eine „Dynamisierung der Ticketpreise“ ist möglich.

Gibt es eine Jobticket-Variante?

Ja. Sofern der Arbeitgeber mindestens 25 Prozent des Ticketpreises zahlt, wird dieses mit einem Rabatt von fünf Prozent auf den regulären Preis an die Arbeitnehmer verkauft. Eine Mindestabnahmemenge gibt es nicht. MVV-Chef Bernd Rosenbusch appelliert: „Bitte informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber, ob ein Deutschlandticket als Jobticket angeboten wird.“ Anfragen gerne via E-Mail an: job-d-ticket@mvv-muenchen.de

Die Ersparnis kann beträchtlich sein: Beim oben genannten Rechenbeispiel verbliebe für den Fahrgast ein Preis von 34,30 Euro.

Wer hat Anspruch auf das geplante 29-Euro-Ticket?

In Bayern wird es dieses Günstig-Ticket für Auszubildende voraussichtlich ab 1. September, für Studierende und Freiwilligendienstleistende zum Start des Wintersemesters 2023/24 geben. Es ist ebenfalls bundesweit gültig.

Bleibt das 365-Euro-Ticket?

Ja, das gibt es weiterhin für Schüler und Azubis. Es gilt aber nur im MVV-Raum, nicht in anderen Verkehrsverbünden. In Regionalzügen, die über das MVV-Tarifgebiet hinaus fahren, gilt das 365-Euro-Ticket nur innerhalb des MVV-Tarifgebietes.

Was passiert mit dem Semesterticket?

Für 2023 gibt es eine Sonderregel: Bis Ende April kann man mit dem Semesterticket im ganzen MVV-Tarifgebiet fahren. Danach empfiehlt der MVV den Kauf eines Deutschlandtickets. Schon erworbene „IsarCard Semester“ werden bis einschließlich 30. April 2023 ohne Bearbeitungsgebühr zurückgenommen, und der Kaufpreis wird erstattet.

Wird es die herkömmlichen MVV-Tickets und die Einteilung nach den Zonen M sowie 1 bis 6 weiterhin geben?

Ja. Viele Gelegenheitsfahrer werden ja zum Beispiel weiterhin Streifen- oder Tageskarten nutzen. Anderen ist die Übertragbarkeit des MVV-Tickets wichtig, dann müssen sie ebenfalls im herkömmlichen Tarif bleiben.

Wie viel kostet das Deutschlandticket den Steuerzahler?

Bund und Länder stellen für das Einführungsjahr jeweils 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Von den 1,5 Milliarden des Bundes entfallen 318 Millionen Euro auf Bayern. Der Freistaat stellt dieselbe Summe zur Verfügung – das heißt, die Verkehrsunternehmen im Freistaat haben 636 Millionen zur Verfügung, um Einnahmeverluste auszugleichen. Das dürfte für 2023 reichen, glaubt Rosenbusch. Für 2024 ist noch unklar, ob Bund und Länder die Kosten erstatten werden, falls das Deutschlandticket insgesamt mehr als drei Milliarden Euro Einnahmeausfälle verursacht.

Ein Blick in die Zukunft – sind weitere Vergünstigungen geplant?

Durchaus möglich. Andere Bundesländer preschen schon vor. So soll es in NRW ein Upgrade für ein Deutschlandticket 1. Klasse geben – für 69 Euro. Hamburg bietet ein 19-Euro-Monatsticket für Schüler und Sozialhilfeempfänger an. In Bayern gibt es bisher keine solchen Pläne.

Zusammenstellung: Dirk Walter

Artikel 3 von 3