München – Ohne Elon Musk und Jeff Bezos geht heute wenig in der westlichen Raumfahrt. Einst belächelt, schicken sie Touristen ins All und haben NASA und ESA von sich abhängig gemacht.
Als Kinder vergruben sie sich in fantastische Geschichten von Jules Verne und bewunderten Captain Kirk und seine interstellare Crew. Obwohl sie aus unterschiedlichen sozialen Milieus stammen und in verschiedenen Ländern aufgewachsen sind, verbindet Jeff Bezos und Elon Musk die Faszination für das Universum. Beide sind Kinder der 1960er-Jahre, in denen sich US-Amerikaner und die Sowjetunion einen Wettlauf zum Mond lieferten. 40 Jahre später sind beide zu immensem Reichtum gekommen.
Der gebürtige Südafrikaner Elon Musk nahm Milliarden durch den Verkauf von Paypal an Ebay ein und investierte sie in das Raumfahrtunternehmen SpaceX. Der Amerikaner Jeff Bezos gründete 1994 den Internetversandhausriesen Amazon und im Jahr 2000 das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Seitdem liefern sich die beiden Superreichen einen Wettlauf um lukrative Aufträge der Raumfahrtindustrie und bei der Verwirklichung ihrer Visionen.
Die Ausrichtung könnte nicht unterschiedlicher sein und spiegelt einen Streit um die Zukunft der Menschheit wider. Musk will in den kommenden beiden Jahrzehnten eine Million Menschen auf den Mars umsiedeln. 2029 soll die erste Rakete mit Abenteurern und Siedlern starten. Er selbst will auf dem Roten Planeten seinen Lebensabend verbringen. Bezos glaubt nicht an diesen „Plan B“ mit der Besiedlung des unwirtlichen Roten Planeten. Er will das Leben auf der Erde bewahren. Trotzdem arbeitet er weiter an seinem Vorhaben, im Jahr 2027 eine Weltraumstadt zu eröffnen.
Mit ihrem unternehmerischen Ansatz haben die beiden die Raumfahrt revolutioniert – Musk mit immer wieder lautstarken Ankündigungen, sein Rivale mit streng geheimen Vorhaben. Sie entwickelten konsequent die Ansätze von NASA und der russischen Weltraumorganisation Roskosmos weiter, mehrmals nutzbare Raketen und Weltraumstationen zu konstruieren, was die Kosten für jede Expedition erheblich senkt.
Zunächst belächelt, sind sie heute dank ihres Erfindungsreichtums Marktführer in der Raumfahrt. Die NASA nutzt ihre Kapazitäten für Start und Landung. Die europäische Weltraumbehörde ESA verlor 2017 die lukrativen Aufträge für Raketenstarts mit Satelliten an SpaceX. Und auch Roskosmos ist längst nicht mehr der alleinige Anbieter, um Menschen zu den Stationen im All bringen.
SpaceX steht vor dem nächsten großen Schritt. Schon bald soll die Monsterrakete „Starship“ abheben und Bauteile für eine Mondstation ins All bringen. 120 Meter misst die Rakete, Musk betitelte sie als „Heiligen Gral“ der Raumfahrt. Die „Starship“ kann 100 Tonnen transportieren und bietet Platz für 100 Menschen. Musks Traum: Eine „Starship“-Flotte soll kostengünstig Material ins All bringen – und den Flugverkehr revolutionieren. Denn Ziele auf der Erde wären mit 25-facher Schallgeschwindigkeit erreichbar. Anfang Februar wurden die gigantischen Triebwerke erstmals gleichzeitig gezündet, allerdings funktionierten nur 31 der 33 Triebwerke planmäßig. Ob und wann Musk den Testflug wagt, steht nicht fest.
KATHARINA DOCKHORN