München – Raketen aus dem 3-D-Drucker. Klingt verrückt, ist aber Realität. „Terran 1“ heißt die Rakete der Firma Relativity Space. Ins All hat es die Rakete aber nicht geschafft. Zwar glückte am 23. März in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida der Start der weltweit ersten Rakete aus einem 3-D-Drucker, aber dann erreichte sie nicht die geplante Höhe und stürzte nach drei Minuten ins Meer. Die obere Stufe hatte zwar gezündet, sich dann aber abgeschaltet. Geplant war, dass „Terran 1“ nach acht Minuten die niedrige Erdumlaufbahn erreicht.
Die Betreiberfirma Relativity Space äußerte sich dennoch zufrieden. Das Ziel, Daten zu sammeln und zu zeigen, dass eine Drucker-Rakete den Belastungen standhält, sei geglückt. Zuvor waren zwei Testflüge wegen Problemen bei der Treibstoffkühlung und Problemen beim Treibstoffdruck aufgegeben worden.
Laut dem kalifornischen Weltraum-Startup war „Terran 1“ das größte jemals mit einem 3-D-Drucker produzierte Objekt: 33,5 Meter lang, Durchmesser 2,2 Meter. 85 Prozent der Raketenmasse wurden mit einem 3-D-Drucker aus Metalllegierungen hergestellt, darunter auch die Triebwerke. Relativity Space will diesen Anteil auf 95 Prozent steigern und so die Kosten für den Raketenbau senken.
Ihren ersten Testflug absolvierte „Terran 1“ ohne Ladung. Künftig soll die Rakete aber bis zu 1250 Kilogramm Fracht in niedrige Erdumlaufbahnen bringen. Außerdem will Relativity Space eine größere Rakete, die „Terran R“, bauen, die bis zu 20 Tonnen befördern soll. Der erste Flug dieser Rakete, die vollständig wiederverwendbar sein soll, ist für 2024 geplant. Betrieben werden die Raketen mit einer Mischung aus flüssigem Sauerstoff und verflüssigtem Erdgas – laut Relativity Space der Treibstoff „der Zukunft“, der etwa auf dem Mars am einfachsten zu produzieren sei.
So wie viele Startups will Relativity Space ins Satellitengeschäft. Derzeit sind die Wartezeiten für einen Start lang, das Startup will die Wartezeit mit Raketen aus dem 3-D-Drucker vekürzen. Sie benötigen nur ein Hundertstel so viele Bauteile wie herkömmliche Raketen und können in 60 Tagen zusammengebaut werden. Das Interesse scheint groß. Laut Relativity-Space-Chef Tim Ellis habe man bereits kommerzielle Aufträge im Umfang von 1,65 Milliarden Dollar (1,53 Milliarden Euro) unterzeichnet. yb/ma/afp