Hermann Oberth, der Vater der Raumfahrt

von Redaktion

VON MARCO KREFTING

München – In seiner letzten Heimat in Feucht im Landkreis Nürnberger Land war er Ehrenbürger, und in einem Museum kann man dort sein Werk bestaunen. Experten sprechen vom „Vater der Raumfahrt“ und einer „epochalen Entdeckung“. Ohne die Grundlagen von Hermann Julius Oberth könnte das Raumfahrtunternehmen SpaceX des US-Multimilliardärs Elon Musk wohl nicht am Raketen-Raumschiff-System „Starship“ tüfteln, das Menschen zu Mars und Mond bringen soll (siehe Text unten).

Wenn man so will, liegt die Wiege der Raumfahrt auch in München. Oberth wurde zwar in Siebenbürgen geboren, wirkte aber lange Zeit in Bayern. Er studierte Medizin auch in München, merkte später, dass er eigentlich Physiker werden will. Auch hier führte ihn das Studium an die Isar. Sein größtes Steckenpferd: die Raumfahrt

Angeregt durch die Lektüre von Jules Vernes Mondromanen und eigene astronomische Beobachtungen hatte Oberth schon als Gymnasialschüler an Raketenplänen gearbeitet, wie man im nach ihm benannten Raumfahrt-Museum in seinem langjährigen Wohnort Feucht weiß. Dort ist der 1989 verstorbene Physiker auch begraben. Während seines Physikstudiums verfasste er 1922 das Manuskript zu seinem Erstlingswerk. Zu jener Zeit habe Raumfahrt vor allem in utopischen Romanen eine Rolle gespielt, sagt Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild. „Oberth hat das auf die Ebene des Möglichen geholt.“ Die Grundvoraussetzungen seien nach wie vor die gleichen: „Alles, was in dem Buch steht, hat heute noch Relevanz.“

Oberth habe mit zwei Vorurteilen aufgeräumt, erklärt Joachim Block, Honorarprofessor an der TU Braunschweig und früherer Leiter mehrerer Standorte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zum einen sei man davon ausgegangen, Raketen könnten sich im Vakuum nirgends abstoßen und somit nicht fliegen. Zum anderen gab es in der damaligen Vorstellung keinen Treibstoff, der genug Energie aufbringen könnte, um das eigene Gewicht aus dem Schwerefeld der Erde zu manövrieren – geschweige denn eine Rakete. „Oberth hat klargemacht, dass ein Großteil des Treibstoffs das Schwerefeld gar nicht verlassen muss.“

Beim Raketenstart entsteht ein gewaltiger Feuerball noch am Boden. Wenn Raketen in mehreren Stufen gebaut sind, die nach und nach abgeworfen werden, wird die ins All zu befördernde Masse immer kleiner. Als Brennstoff stellte Oberth sich flüssigen Sauerstoff und Spiritus vor – die Flüssigkeitsrakete war entworfen. Die erste Stufe der technologischen Entwicklung war damit erreicht, wie Block betont. „Der wissenschaftliche Durchbruch.“

In seinem Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ beschrieb Oberth auch mögliche Anwendungen: Erdbeobachtung, Klimamessung, Kommunikation von Kolonien mit dem Mutterland, aber auch Spionagezwecke. Als Oberth mit dem Buch promovieren wollte, scheiterte er in Deutschland. Zu fantastisch, hieß es. Oberth zog zurück nach Siebenbürgen ins heutige Rumänien. An der Universität Klausenburg schloss er ein Lehrerstudium ab – mit einem Teil der abgelehnten Dissertation als Abschlussarbeit.

Der noch heute in München ansässige Verlag Oldenbourg traute sich dann und veröffentlichte am 26. Juli 1923 „Die Rakete zu den Planetenräumen“. Das sei ein mutiger Schritt gewesen, lobt Rohrwild. Das Buch habe sich anfangs nicht gut verkauft.

Doch der junge Wernher von Braun bekommt es in die Finger. Er verstand kaum etwas, war gerade in Mathematik sitzen geblieben. Braun setzte sich auf den Hosenboden und verstand ein paar Jahre später wenigstens die Hälfte des Buches. Heute gilt von Braun als Wegbereiter von Raketenwaffen unter den Nazis im Zweiten Weltkrieg. Dass seine Ansätze zu Waffen werden, sei nicht Oberths Absicht gewesen, ist Rohrwild überzeugt.

1928 erhielt Oberth bei Regisseur Fritz Lang die Chance, bei der Produktion des Films „Eine Frau im Mond“ praktische Raketenversuche zu unternehmen. Weil er viel eigenes Geld in seine Forschung steckte, trieb ihn das an den Rand des Ruins. Immer wieder verschlug es Oberth nach Feucht, wo er ein gefragter Experte war – bis der Wettlauf ins All zwischen den USA und der Sowjetunion endete.

Danach wurde es bis zu seinem Tod ruhig um den Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Bayerischen Verdienstordens. Das National Air and Space Museum in Washington kam 1996 zu dem Schluss, dass Oberth der wahre Vater der Raumfahrt ist. Präsent ist er auch bei SpaceX: Ein Konferenzraum ist nach ihm benannt.

DAS MUSEUM

Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum hat ganzjährig samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Individuelle Termine sind möglich (Tel. 09128/35 02 oder info@raumfahrtmuseum.de). Adresse: Pfinzingstr. 12–14 in 90537 Feucht. Internet: www.raumfahrtmuseum.de.

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