Landfrauen machen sich fit für die Zukunft

von Redaktion

Vereinigung vor 75 Jahren gegründet – Ministerpräsident Söder kommt zur Jubiläumsfeier nach Mittenwald

München – „Mit uns leben die Dörfer!“: Selbstbewusst und forsch präsentieren sich die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband (BBV) – und das im Jubiläumsjahr. Vor nunmehr 75 Jahren wurde die Landfrauenarbeit im BBV mit der Gründung des Referats „Die Landfrau“ eingeführt. Auf Landfrauentagen wird das in den Kreisverbänden ausgiebig gefeiert – wie morgen in Mittenwald (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich angekündigt, sucht den Austausch mit den Bäuerinnen. Denn sie wissen genau, wie derzeit die Stimmung auf dem Land ist. In Wahlkampfzeiten dürfte das keine schlechte Expertise sein.

Die Frauen im BBV haben eine lange Emanzipationsgeschichte erlebt. Die ersten Ortsbäuerinnen wurden noch bestimmt – meistens in reinen Bauernversammlungen. Am 7. Mai 1948 richtete der BBV im Generalsekretariat das Referat „Die Landfrau“ ein. Es folgten Berufungen der Kreis- und Bezirksbäuerinnen. Im März 1949 schlossen sich die Bäuerinnen zur Landfrauengruppe zusammen und wählten Maria Baur zur ersten Landesbäuerin.

Nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren bildeten Kuren und Erholungsmöglichkeiten die ersten Angebote für die Mitglieder: Schon 1952 gab es die „Bäuerinnen-Erholung“ am Hartschimmelhof in Pähl (Kreis Weilheim-Schongau). Mittlerweile zählen zahlreiche Kur- und Erholungsmaßnahmen für Jung und Alt von Wellness bis Wandern zum Programm.

Als nächstes wichtiges Ziel der Landfrauenarbeit wurde die Bildung in den Blick genommen. Die systematische Bildungsarbeit der Landfrauengruppe startete 1954 – seither stellen die Landfrauen die Erwachsenenbildung immer unter ein Jahresthema. 1974 entwickelte sich daraus das Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbandes.

Das Verhältnis zu den Verbrauchern wurde im Laufe der Jahre immer wichtiger und auch immer schwieriger: Die BSE-Krise zur Jahrtausendwende etwa löste heftige Debatten aus. Inzwischen sind Klima-, Umwelt- und Tierwohldebatten an der Tagesordnung. Die Landfrauen suchen immer wieder nach Möglichkeiten, wie sie die Bevölkerung für Agrarthemen sensibilisieren können. Zur Feier des 50-jährigen Bestehens im Jahr 1998 etwa hoben die Landfrauen den Kindertag auf bayerischen Bauernhöfen aus der Taufe. Er fand bis zur Corona-Pandemie 2019 alle zwei Jahre statt. Tausende von Kindern aus Kindergärten und Grundschulen waren zu Gast. 2002 startete in Zusammenarbeit mit dem Agrarministerium das Projekt „Landfrauen machen Schule“. Die Kinder sollen den Weg der Lebensmittel von der Erzeugung bis zum Verzehr kennenlernen. Überhaupt ist die Gesundheit den Landfrauen ein besonderes Anliegen. Seit 2000 bilden sich Landfrauen zu Ernährungsfachfrauen weiter und engagieren sich in der Ernährungs- und Verbraucherbildung. Derzeit sind 150 Ernährungsfachfrauen in ganz Bayern als Referentinnen aktiv.

Zusätzliche Qualifizierungsmöglichkeiten für Bäuerinnen werden immer wichtiger. Seit 2003 werden im Bildungswerk des BBV Landfrauen zur Agrarbürofachfrau geschult. Auf Anregung der Landfrauen wurde das Unterrichtsfach „Alltags- und Lebensökonomie“ an allgemeinbildenden Schulen eingeführt. Seit dem Schuljahr 2021/22 werden bei Projektwochen Alltagskompetenzen vermittelt: Wo kommen die Lebensmittel her? Wie kann ich gesund und lecker kochen? Was leistet die Landwirtschaft für die Gesellschaft?   cm/mm

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