4 FRAGEN AN
Christine Singer (57) aus Hofheim (Kreis Garmisch-Partenkirchen) ist die bayerische Landesbäuerin. Die Hauswirtschaftsmeisterin will das Selbstbewusstsein der Bauernfamilien stärken.
Was sind Sie, Landfrau oder Bäuerin?
Ich bin beides! Ich bin Bäuerin, weil ich auf einen Hof eingeheiratet hab. Landfrau bin ich, weil das, was die Landfrauen machen, meine Themen sind. Ich würde mich da auch dazugesellen, wenn ich keine Bäuerin wäre.
Welche Themen sind das?
Wir Landfrauen sehen uns als Fürsprecherinnen für den ländlichen Raum. Die Hauptthemen haben sich gewandelt. Wir kommen von „Kinder, Küche, Kirche, Kühe“ – das war der Ursprung vor 75 Jahren. Damals hat man im Bauernverband erkannt, dass die Frauen auf den Höfen einen enormen Beitrag leisten und man eine eigene Frauenschiene gründen muss. Von den ursprünglich sozialen Themen hat sich der Blick nach außen geweitet: zu den aktiven Betriebsleiterinnen, die sich mit Agrarpolitik und Fragen der Tierhaltung oder Pflanzenbau befassen, aber auch zur sozialen Absicherung in der bäuerlichen Familie, Eigentumsfragen und die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum.
Was meinen Sie damit?
Eben, alles, was man auf dem Land braucht: Die medizinische Versorgung vom Arzt über Hebammen bis zum Krankenhaus. Auch die Mütterrente ist für uns ein wichtiges Thema. Wir fordern eine Stärkung und größere Wertschätzung des Ehrenamts – das ist der Kitt, der die Leit zsammhält.
Sind denn Betriebsleiterinnen bei den Landfrauen richtig aufgehoben?
Die jungen Frauen legen schon ihren Schwerpunkt auf die rein betrieblichen Themen. Aber wenn man Familie hat, merkt man schnell, dass man in dem kompletten Radl drin ist. Als Frau hat man noch mehr Gespür für die sozialen Themen. Ich bin noch die klassische Landfrau, die aber einen offenen Blick hat und tolerant ist. Vor ein paar Jahren haben wir die jungen Frauen gefragt, ob sie sich bei den Landfrauen wohlfühlen – und waren ganz überrascht. Sie haben uns gesagt: „Ihr seid voll im Trend.“ Kochen, Backen, Haushaltsführung seien total wichtig, das brauche jeder. Wir haben gedacht, wir seien total altmodisch. Die Jungen erfinden das neu. Was ist in der Gesellschaft gerade „in“? Nachhaltigkeit! Das ist nichts anderes als das, was wir Landfrauen schon immer machen auf unseren Höfen – nur neu verpackt.
Interview: Claudia Möllers