München/Trient – Der Bär ist zurück in Bayern – mal wieder. Wie das Landesamt für Umwelt (LfU) gestern Abend mitteilte, wurden am vergangenen Wochenende in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim im Grenzgebiet zu Österreich Trittspuren im Schnee dokumentiert. Diese seien nun ausgewertet und ein Braunbär bestätigt worden, so die Behörde.
Es ist der erste offizielle Nachweis eines Braunbären in Bayern seit dem Sommer 2022. Damals wurden im Gebiet zwischen Reutte in Tirol und dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen sowie im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mehrere Hinweise bestätigt. Das LfU weist darauf hin, dass sowohl im aktuellen Fall wie im vergangenen Sommer die gefundenen Proben nicht ausreichen, um die Spuren einem konkreten Tier zuzuordnen. Die nächste Bärenpopulation befindet sich im Trentino, von dort aus streifen die großen Wildtiere auf der Suche nach Weibchen mitunter sehr weit umher. Seit dem Jahr 2019 werden in Bayern immer wieder Spuren von durchziehenden Bären entdeckt. Zuvor war der berüchtigte Problembär Bruno im Jahr 2006 der letzte nachgewiesene Bär im Freistaat.
Im Mangfallgebirge auf Tiroler Seite gab es zuletzt mehrere Berichte über Bärensichtungen. Im vergangenen Oktober tappte ein Braunbär in eine Fotofalle in der Nähe des Hinteren Sonnwendjochs oberhalb von Spitzingsee. Ob es sich dabei um das Tier handelt, das nun im südlichen Oberbayern seine Fußspuren hinterlassen hat, ist unklar.
Unterdessen tobt im Trentino die Debatte über den Abschuss von „Problembärin“ Gaia. Ein Gericht entschied, den Abschussbefehl für das Tier vorerst bis zum 11. Mai auszusetzen. Dann werde es eine Anhörung vor dem Gericht geben, um über das Schicksal des Bärenweibchens zu entscheiden. Tierschutzvereine hatten Berufung gegen den von der Provinz Trentino angeordneten Abschussbefehl eingelegt.
Mehrere Bürgermeister des Val di Sole, in dem vor knapp zwei Wochen der 26-jährige Jogger Andrea Papi von der Bärin getötet wurde, drohen nach der Aussetzung des Abschussbefehls nun mit Rücktritt, wenn keine Lösung für ein Zusammenleben mit den Raubtieren gefunden wird. „Die Aufgabe eines jeden Bürgermeisters ist es, die Sicherheit der Bürger zu garantieren. Aber wenn auf übergemeindlicher Ebene Entscheidungen getroffen werden, die mich daran hindern, meine Aufgabe wahrzunehmen, welchen Sinn hat es dann, weiterhin Bürgermeister zu sein?“, sagte das Oberhaupt der Gemeinde Ruffre, Donato Seppi, der Tageszeitung „Alto Adige“. Mehrere Bürgermeister aus dem Trentino und aus Südtirol haben sich dem Protest angeschlossen. Sie erwägen eine Gegenklage.
Der Regionalpräsident von Trentino-Südtirol, Maurizio Fugatti, betonte, die Suche nach dem Tier werde trotzdem fortgesetzt. Zwar sei der Abschussbefehl ausgesetzt, nicht aber die Erlaubnis zum Fang. Die Provinz werde später versuchen, die Tötung rechtlich durchzusetzen. DOMINIK GÖTTLER