Als Markus Söder über den „Schlafwagen“ spottete

von Redaktion

HINTERGRUND Das schwierige Verhältnis der Ministerpräsidenten aus Bayern und Nordrhein-Westfalen

München – Ein „Pakt der Großen“ sei das, sagte Markus Söder, als er erstmals offiziell Hendrik Wüst in München empfing. Der CSU-Ministerpräsident und sein CDU-Gast aus NRW demonstrierten extra viel Harmonie in jenem Februar 2022 – um einen Schlussstrich zu ziehen. Mit Wüsts Vorgänger Armin Laschet hatte es nämlich einen erbitterten Kampf gegeben, der Wunden hinterließ.

Laschet wie Söder wollten 2021 Kanzlerkandidaten werden. Der eine traute dem anderen den Job aber nicht zu, und das in tiefer Inbrunst. Nach kurzer, harter Auseinandersetzung siegte Laschet – und Söder behielt Recht. Im Wahlkampf lief für den CDU-Kandidaten vieles falsch: unkonzentrierte Auftritte, inhaltlich nicht trittsicher, maue Umfragen. Der unterlegene Söder und seine CSU begleiteten das aus München mit schlecht verborgenem Spott. Ins Kanzleramt komme man nicht im „Schlafwagen“, sagte der Bayer, ein Hinweis, für wie ideenarm, matt und schnarchtrötig er Laschet hielt. Am Wahlabend reichte es für die Union bundesweit nur für Platz 2, Laschet verlor in der Folge schrittweise seine Ämter.

Wer von beiden größere Schuld an der Wahlniederlage hatte, wird noch immer lebhaft diskutiert. Offenkundig haben sich auch die Meinungen übereinander nicht sonderlich geändert. Laschet, jetzt mit 62 Jahren nur mehr einfacher Abgeordneter in den hinteren Reihen des Bundestags, lässt ab und zu eine Spitze gen Süden fallen.

Das Verhältnis Söders zu Laschet-Erbe Wüst entspannt sich derweil. Die beiden, 56 und 47 Jahre alt, kennen sich aus der Jungen Union gut, wissen sich einzuschätzen. Als Ministerpräsidenten der zwei wichtigsten, wirtschaftsstärksten Bundesländer sind sie automatisch prägende Figuren auch auf nationaler Ebene. Doch die Kanzlerkandidatur 2025 soll erst nächstes Jahr entschieden werden. Wüst und Söder, falls er ein starkes Ergebnis bei der Landtagswahl in einem halben Jahr holt, kämen beide als Kandidaten in Frage – vermutlich wird CDU-Chef Friedrich Merz (67) aber diesmal selbst zugreifen.

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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