München/Fürth – Dass man sich auf Henry Kissingers Wort verlassen kann, das haben die Fürther gelernt. Denn der ehemalige US-Außenminister hatte einst ein Versprechen abgegeben: Sollte die Spielvereinigung Greuther Fürth, der Club seiner Geburtsstadt, jemals wieder in die Erste Bundesliga aufsteigen, dann werde er zum Anfeuern kommen. Und tatsächlich: Im September 2012 erschien der wohl prominenteste Fan des Vereins mit grün-weißem Schal auf der Ehrentribüne.
„Die Verbindung Kissingers zu unserer Stadt ist immer sehr eng geblieben“, sagt der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD). Egal, wie eingespannt er in der hohen US-Politik war: „Er hat sich in Zeiten, in denen es noch kein Internet gab, jede Woche vom deutschen Botschafter die Ergebnisse der Spielvereinigung durchgeben lassen.“ Wie gut oder schlecht es gerade um die deutsch-amerikanischen Beziehungen stand, ließ sich auch daran bemessen, wie lange sich der Botschafter mit seinen Ergebnismeldungen Zeit ließ, wie Kissinger mal erzählte.
Jung, seit mehr als 20 Jahren Stadtoberhaupt, kann sich gut erinnern, wie er Kissinger zum ersten Mal traf. „Ich war wahnsinnig aufgeregt. Aber dann stellte sich heraus, was für ein herzlicher und angenehmer Mensch Henry Kissinger ist.“ In der Stadt ist ein Platz nach Kissinger benannt, auf dem jüdischen Friedhof befindet sich das Grab der Großeltern. Zum 100. Geburtstag soll am Geburtshaus eine Tafel angebracht werden. Eine Ausstellung ist geplant. Vielleicht sogar ein Besuch, wenn es der gesundheitliche Zustand zulässt. „Wir sind optimistisch“, sagt Jung. Und natürlich wird es auch beim letzten Heimspiel der Saison von Greuther Fürth am Sonntag Glückwünsche an den prominenten Unterstützer geben. dg