München – Für Julia Bomsdorf (28) scheint die Vier eine Glückszahl zu sein. So alt ist die Hündin Mali. So lange währt schon die feste Beziehung mit der Partnerin. Und so lange arbeitet Bomsdorf als Fachperson für die Lesbenberatung LeTRa in München. Julia bezeichnet sich als non-binär, also keinem Geschlecht zugehörig. „Ich habe das schon beim Aufwachsen gemerkt, dass ich all die Attribute, die Mädchen zugeschrieben werden, bei mir nicht finde. Andererseits wollte ich auch kein Junge sein.“
Erst vor etwa acht Jahren hatte Julia, in München geboren und bis heute der Stadt treu geblieben, die „Lösung gefunden“, sprich: Julia bekam mit, dass sie nicht die einzige Person ist, der es so geht wie ihr. Ist der Begriff erst einmal gefunden, kann man sich besser orientieren, zum Thema schlau machen, Stabilität und Sicherheit finden. So hat Julia festgestellt, dass es nicht-binäre Geschlechter-Identitäten schon seit Jahrtausenden gibt. Und: Julias Arbeit in einem großen queerlesbischen Verein stärkt die Identität zusätzlich. Das war in der Schule noch anders. „Blöde Sprüche gab es und gibt es auch heute noch.“ Im bunten Berlin seien aber häufiger dumme Kommentare gefallen. „Ich bevorzuge München.“
Ändert sich das öffentliche Bewusstsein? „Positiv ist, dass viele junge Leute sehr viel offener sind und viel über das Thema wissen.“ Doch es gebe auch Altersgenossen, die ins radikalisierte Gegenteil ausschlagen. „Seit Jahren steigen die Zahlen bei der Hass-Kriminalität.“ Doch das könnte auch bedeuten, dass immer mehr Opfer die Straftaten anzeigen, wägt Julia ab. mbi