München – Seit 2000 lebt Conrad Breyer in München. „Ich habe hier eine sehr offene Stadtgesellschaft kennengelernt“, blickt der Pressereferent des Münchner Schwulenzentrums Sub zurück. Wobei sich die Community erst einmal „zusammenraufen“ musste. Breyer erinnert sich, dass in der Hans-Sachs-Straße im Glockenbachviertel früher ein Dutzend „einschlägiger Lokale“ beheimatet waren, heute ist es nur noch eines. „Das liegt an der Gentrifizierung und an der Digitalisierung. Die Leute können sich heute online kennenlernen.“ Vorteil: Die Kontaktaufnahme ist leichter. Nachteil: Es gibt weniger Schutzräume.
Die Zahlen von Gewalt und Diskriminierung gegen queere Menschen steigen an. Breyer verweist auf Daten der Strong!-Fachstelle, die bayernweit Hilfe für Queere anbietet. „Mit dem neuen Erstarken rechter Kräfte ist vor allem die Transphobie gestiegen. Die Gesellschaft verhärtet sich, die Polarisierung nimmt zu. Das ist ein beängstigender Trend.“ Bei den diesjährigen CSD-Vorbereitungen sei es „richtig hart“ gewesen. „Ich habe noch nie so viel Hass und Hetze erlebt“, verweist Breyer auch auf die jüngsten Äußerungen mancher CSU- und FW-Politiker sowie die Kampagne der AfD gegen die Drag-Lesung in München. „Ich bin ja sogar noch privilegiert als schwuler weißer Mann, doch außerhalb des CSD laufe ich nicht in Regenbogenfarben herum. Die Blicke und Sprüche möchte ich mir ersparen.“ Auch in München gebe es immer wieder negative Erlebnisse. Fazit: „Gerade junge Leute wollen ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität leben, doch dafür müssen sie einen hohen Preis zahlen.“ mbi