„Mit Stolz sagen: Wir sind wer!“

von Redaktion

München – Vor 23 Jahren kam Jan Erdmann (58) aus der niedersächsischen Provinz nach München und wollte ein Jahr bleiben. Mittlerweile sind es 23, und seit 21 Jahren ist er mit seinem Partner Albert Knoll (64) zusammen. Das Paar aus Sendling ist hochpolitisch und spürt einen Rechtsruck. „Die CSU hat lange liberal reagiert, doch mit der Ablehnung der Dragqueen-Lesung hat sich die Partei klar positioniert“, sagen die beiden.

Auch früher war nicht alles eitel Sonnenschein. „Auch beim CSD wurden immer wieder queere Menschen verprügelt.“ Dass alles noch schlimmer werden könnte, sei möglich, auch wenn Erdmann sagt: „Das Queere ist zu sehr in der Gesellschaft angekommen, um wieder total zu verschwinden.“

Was queer alles sein kann, zeige ja schon der „Buchstabensalat“ LGBTQIA+. „Das heißt auch, dass man achtsamer wird und immer stärker unterscheidet zwischen verschiedenen sexuellen Identitäten. Eine gute Entwicklung“, finden beide. „In den vergangenen 20 Jahren trauen sich immer mehr junge Leute, sich zu outen. Die Schwelle ist niedriger geworden, in die Szene zu kommen, was auch Social Media zu verdanken ist.“

Kaum zu glauben, wie sich der Christopher Street Day seit seinem Beginn 1980 entwickelt habe. „Damals waren 120 Männer dabei, teils verkleidet und maskiert, weil sie Angst um ihren Job und ihr Umfeld hatten.“ Heute ist es ein Spektakel mit Tausenden. Unpolitischer sei das Ganze geworden, klar. „Aber“, betont Knoll, „es geht ja darum, Aufmerksamkeit zu erregen und stolz zu sagen: Wir sind wer!“  mbi

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