München – An Mariä Himmelfahrt feiern die Christen das Hochfest der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel. Maria steht als Mutter Gottes, als Ersterlöste im Zentrum. An den Feiertag am kommenden Dienstag schließt sich der Frauendreißiger (Marientage) an, der am 14. September (Kreuzerhöhung) endet. Zu dieser Zeit gelten nicht nur die Kräuter als besonders heilkräftig, sondern es ist auch eine Zeit der Wallfahrt. Für alle, die Lust haben, auf eine kleine Pilgerreise zu gehen, stellen wir heute acht heilige Orte vor.
Kloster Andechs
Seit rund 900 Jahren ist die Andechser Wallfahrt belegt – was sie zur ältesten Wallfahrt (Kirchen gibt es ältere) Bayerns macht. Seit dem Barock-Zeitalter, dem 17. Jahrhundert, steht das Gnadenbild der Muttergottes am unteren Hochaltar im Zentrum der Verehrung. Alljährlich machen sich über 30 000 organisierte Gläubige auf, um Maria zu danken und ihre Bitten an sie zu richten. Auch Einzelpilger sind immer häufiger zu sehen, seit der Münchner Jakobsweg vor 30 Jahren eröffnet worden ist. Das Kloster Andechs bietet allen Pilgern und Wallfahrern schlichte Zimmer für Übernachtungen (Dusche/WC auf dem Gang). Tipp: Ein Besuch im Bräustüberl ist ein Muss. Die Brotzeit kann man mitbringen – und ein süffiges Klosterbier genießen. Adresse: Bergstraße 2, 82346 Andechs Infos: www.andechs.de
Münchner Jakobsweg
Der Münchner Jakobsweg führt in 80 Gehstunden von München durch das Allgäu zum Bodensee. Man kann aber auch einzelne Etappen gehen, etwa mit Stopp im Kloster Fürstenfeldbruck. Dafür braucht es einen ganzen Tag Zeit. Die Tour beginnt in Olching in der Nähe des Golfplatzes. Von dort wandert man durch das Ampertal nach Esting, weiter über das Emmeringer Hölzl nach Fürstenfeldbruck. Von hinten nähert sich der Jakobsweg dem Kloster. Weiter geht es durch Wälder und Wiesn bis nach Stegen am Ammersee. Tipp: nach gut sieben Stunden Gehzeit eine Einkehr in der Alten Brauerei. Danach den Sonnenuntergang am Ammersee genießen. Infos: Online finden sich viele Seiten zum Weg, z.B. www.jakobsweg-lebensweg.de
Maria Vesperbild
Jährlich pilgern bis zu 500 000 Menschen zur Wallfahrtskirche Maria Vesperbild in Ziemetshausen (Kreis Günzburg), 30 Kilometer westlich von Augsburg. Von der vor etwa 300 Jahren errichteten Rokoko-Kirche führt ein Kreuzweg zur Fatima-Grotte, wo unzählige gestiftete Kerzen brennen. Am Dienstag zelebriert dort Erzbischof Georg Gänswein, ehemaliger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., um 19 Uhr ein Pontifikalamt. Dann gibt es eine Lichterprozession zur Mariengrotte. Tipp: Direkt ans Gelände grenzt das Schloss Seyfriedsberg. Der Zugang zu dem Park mit altem Baumbestand ist frei, das Schloss selbst kann nicht besichtigt werden. Adresse: Schellenbacher Straße 4, 86473 Ziemetshausen Infos: www.maria-vesperbild.de
Hoher Peißenberg
Auf dem Hohen Peißenberg unweit von Weilheim im Pfaffenwinkel steht seit 1514 eine Kapelle. Damals befand sich darin schon das Muttergottesbild, dem man wundersame Kräfte nachsagte. Die Wallfahrt entstand 1525, im Jahr des Bauernkrieges sollen sich hunderte Bauern auf dem Hohen Peißenberg versammelt haben, um dort Treue zum Katholizismus und zum bayerischen Herzog zu geloben. Als Dank schenkte Herzog Maximilian I. Bauland zur Vergrößerung der Kapelle, was dann von 1616 bis 1619 auch durch einen Anbau geschah. Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt ist also eine Doppelkirche aus Gnadenkapelle und Kirchenanbau. Tipp: Genießen Sie den wunderschönen Rundblick. In 988 Metern Höhe sieht man auf das Karwendelgebirge im Süden, von der Nordseite zum Ammersee und Starnberger See.
Adresse: Matthäus-Günther-Platz 2, 82383 Hohenpeißenberg Infos: www.pfaffen-winkel.de
Maria Birnbaum
Die hölzerne Skulptur der Maria von Birnbaum entstand um 1600 und wurde ursprünglich bei Schloss Stunzberg verehrt. 1632 warfen schwedische Soldaten sie ins Jochmoos. Der Dorfhirte Johann Vogel rettete sie und stellte sie in einem hohlen Birnbaum aus. 1659 soll es die erste Heilung einer todkranken Frau gegeben haben. Bis heute kommen jährlich bis zu 200 000 Pilger nach Sielenbach im Kreis Aichach-Friedberg. Tipp: Maria Birnbaum ist Station des rund 100 Kilometer langen 7-Klöster-Wegs, der am besten mit dem Rad zu erkunden ist. Adresse: Maria-Birnbaum-Straße 51, 86577 Sielenbach Infos: www.maria-birnbaum.de
Mariä Heimsuchung
Ein bisserl versteckt liegt die wunderschöne Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung idyllisch im Wald oberhalb von Nußdorf am Inn im Landkreis Rosenheim. Der Ort heißt Kirchwald, weil die Bewohner der verstreut liegenden Ortsteile früher am Sonntag durch den Wald zum Gottesdienst mussten. Ab Ortsmitte Nußdorf folgt man dem Mühlenweg, dann dem Weg nach Gritschen. Die Gehzeit beträgt rund eine Stunde (von Gritschen aus 30 Minuten). Tipp: Klopfen Sie doch bei Bruder Damian an. Der Eremit versorgt Kirche, Klause und Garten. Der gebürtige Hamburger hat immer ein offenes Ohr für Menschen in Not. Für Interessierte lässt er sich gerne zu einer Führung durch die Kapelle überreden. Adresse: an nicht benannter Straße, 83131 Nußdorf Infos: www.nussdorf.de.
Benediktbeuern
Das um 725 von Karl Martell gestiftete Kloster Benediktbeuern gilt als ältestes Kloster Oberbayerns. Bekannt wurde es als Fundort der Liedersammlung „Carmina Burana“ im Jahr 1803. Auch wenn sich die Originaltexte heute in der Staatsbibliothek in München befinden, ist Benediktbeuern einen Ausflug wert – dank der schönen Klosteranlage, wo heute Salesianer leben und eine Hochschule betreiben sowie Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. Aber auch der Ort selbst und die Umgebung laden zum Wandern ein – bis an den Kochelsee, wenn man möchte. Tipp: Im Kloster zu übernachten, hat seinen besonderen Charme. Ein Kraftort für Körper, Geist und Seele. Adresse: Don-Bosco-Straße 1, 83671 Benediktbeuern Infos: www.kloster-benediktbeuern.de
Altötting
Über eine Million Menschen pilgern jedes Jahr zur Gnadenkapelle in Altötting. Marienwallfahrten gibt es dort seit 1489. Damals soll sich das Wunder zugetragen haben, dass ein ertrunkener Bub (3) in der Kapelle wieder zu atmen begann, nachdem seine Mutter zur schwarzen Madonna gebetet hatte. Über 300 Jahre lang, bis 1955, ließen die Herrscher Bayerns nach dem Tod ihre Herzen in silbernen Urnen im Oktagon der Kapelle in Wandnischen beisetzen, auch das Herz von Märchenkönig Ludwig II. ist dort. Tipp: Setzen Sie sich in der Gnadenkapelle links auf den ersten Betstuhl und denken an nichts. Irgendwann, so berichten Besucher, soll es dann zu kribbeln beginnen. Adresse: Kapellplatz, 84503 Altötting
Infos: www.gnadenort-altoetting.de