München – Das Potenzial ist enorm. Laut einer Studie der TU München sind rund 40 Prozent der bayerischen Haushalte so urban gelegen, dass sie via Fernwärme mit Tiefengeothermie aus Thermalwasser geheizt werden können. Noch einmal zehn Prozent könnten durch andere Fernwärmequellen gespeist werden.
Bisher liegen 96 Prozent der tiefen Geothermie-Anlagen in Bayern. Warum, erklärt Tobias Megies, Geophysiker an der LMU München: „In Deutschland wird tiefe Geothermie bisher vor allem über Thermalwasser genutzt. Große Vorkommen gibt es aber nur in Südbayern, dem Oberrheingraben oder Teilen Norddeutschlands.“
Eavor könnte die Nutzung demnach deutlich erweitern; „Für ein geschlossenes System, wie Eavor es baut, braucht man nur eine entsprechend stabile und möglichst undurchlässige Gesteinsschicht. Die ist in Deutschland deutlich häufiger zu finden als Thermalwasser.“
Ob sich das lohnt, hänge von den individuellen Bedingungen ab: „Im Erdkern gibt es mehr als genug Hitze. Die Frage ist: Wie tief muss ich bohren, um die richtigen Bedingungen für einen Wärmetauscher zu schaffen.“ Das sei auch die Bedingung für die Stromerzeugung: „Theoretisch kann man in einem geschlossenen System immer Strom erzeugen, sobald man tief genug bohrt.
Es kommt aber immer auf die Strompreise an, ob sich das rentiert.“ Denn für die reine Wärmenutzung braucht es deutlich geringere Temperaturen.
Doch wie sicher ist die Geothermie überhaupt? „Hinsichtlich der Bohrtechnik ist bei den Projekten in Bayern noch nichts passiert“, erklärt Megies, „die Technik wird gut beherrscht.“ Und das Risiko von Mikrobeben ist geringer als bei hydrothermaler Geothermie. Auch wird bei der Geothermie der Erde kein Volumen entzogen, es kann also nichts absacken. „Das ist bei der Gasförderung deutlich kritischer“, so Megies.
Und wie erneuerbar ist Geothermie? „Wenn es dem Erdkern an etwas nicht fehlt, ist es Hitze“ erklärt Megies. Es könne jedoch sein, dass sich der Entnahmepunkt nach einigen Jahrzehnten temporär abkühle. „Deswegen werden die Anlagen aktuell auf 50 bis 60 Jahre konzipiert“, erklärt der Geowissenschaftler. mas