Frankfurter Allgemeine: Die Sache könnte Aiwanger sein Amt als Wirtschaftsminister kosten. Markus Söder wäre außerdem zuzutrauen, dass er gleich die ganze Koalition kündigt. Aiwanger bleibt nichts anderes, als die Veröffentlichung des Flugblatts aus der Zeit, da er in die 11. Klasse ging, als gezielte Kampagne zu kritisieren, die ihm den Erfolg in der Landtagswahl im Oktober zunichtemachen soll. [Seine] Gegner führen etwas ganz anderes ins Feld: Das üble Pamphlet aus Jugendjahren passe zur populistischen Unkultur des erwachsenen Politikers. Das Flugblatt lässt sich nicht als „Jugendsünde“ abtun.
Badische Zeitung: Ist die Tatsache, ob jemand ein solches Flugblatt geschrieben oder zumindest verteilt hat, auch Jahrzehnte später relevant dafür, ob er ein wichtiges Regierungsamt innehaben kann oder nicht? Eindeutig ja. Das Mindeste, was man erwarten muss, sind eine Entschuldigung, eine echte Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun – und Ehrlichkeit darüber, was geschehen ist.
Neue Zürcher Zeitung: Die „SZ“ behandelt die Aussagen ihrer anonymen Quellen wie Gewissheiten. Aus ihrer Absicht macht sie dabei kein Hehl: Sechs Wochen vor den Landtagswahlen sollen Aiwangers mit der CSU regierende Freie Wähler in ihrem Höhenflug gestoppt werden. Die „SZ“ betreibt das Geschäft von Aiwangers politischer Konkurrenz und nennt es Journalismus. (…) Letztlich zeigt „Das Auschwitz-Pamphlet“, in welchen Abgründen ein Journalismus landen kann, der sich von der eigenen Weltanschauung die Sinne benebeln lässt.
Nürnberger Nachrichten: Aiwanger, dessen rechtskonservativ-nationales Umfeld nun deutlich sichtbarer wurde, kann sich nun eigentlich keine neuen Ausfälle von der Art des „Demokratie-Zurückholens“ mehr leisten. Er muss alles peinlichst vermeiden, was ihn in die rechte Ecke stellt, die ihm in seiner Jugend zumindest nicht fremd war.
Augsburger Allgemeine: Für Aiwanger ist die Angelegenheit nicht vom Tisch. Was etwa ist davon zu halten, dass er das Flugblatt verteilt haben könnte? Dass er sich daran nach eigener Aussage nicht mehr erinnern kann, schwächt seine Distanzierung. Zumal viele noch seine Erdinger Rede („die schweigende große Mehrheit“ müsse sich „die Demokratie wieder zurückholen“) im Kopf haben.
Nürnberger Zeitung: Was die Affäre für die bayerische Landtagswahl bedeutet, ist noch unabsehbar. Bleibt es beim Sachstand vom Sonntag, könnte die misslungene mediale Attacke Aiwangers Position als „Kultfigur“ (so der Freie-Wähler-Politiker Fabian Mehring) noch steigern – mit der Folge eines kleinen Aufschlags auf das Wahlergebnis seiner Partei.
Der neue Tag (Weiden): Söder ein knallharter Machtmensch. Er wird dem Wirbel um Aiwanger nicht lange zuschauen. Und sowieso egal, wie es ausgeht: Im Schulranzen eines Elftklässlers lag ein Papier, dessen Inhalt so abscheulich ist, dass es weh tut. Das tiefe Wunden aufreißt. Ob es 35 Jahre her ist, oder gestern.