„Wir spüren bei den Marktpreisen gerade noch deutlich den Ukraine-Krieg, es gibt aber die begründete Hoffnung, dass die Preise in einigen Jahren wieder deutlich fallen werden. Dafür spricht, dass das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren deutlich angezogen hat, bei der Photovoltaik haben wir jetzt schon über 90 Prozent unseres Jahresziels erreicht. Dazu kommen die neuen, riesigen Flüssiggas-Häfen, die das russische Gas mehr als ersetzen können.
Die in diesem Sommer niedrigen Strompreise geben uns einen Vorgeschmack darauf, was wir uns von der Energiewende erhoffen können. Deswegen ist es realistisch, dass die Börsenstrompreise in absehbarer Zeit unter die geforderten fünf oder sechs Cent pro Kilowattstunde fallen, so wie vor der Krise.
Das Problem ist aber, dass Investitionsentscheidungen heute getroffen werden. Deshalb reicht es nicht, dass man glaubt, dass die Preise sinken, während andere Länder wie die USA viel günstigere Strompreise und zusätzliche Subventionen bieten. Deshalb bin ich für den Industriestrompreis: Wir müssen den Unternehmen Sicherheit bieten, damit sie nicht in den USA investieren und am Ende nie wieder zurückkommen.
Bis 2030 wollen wir 80 Prozent unseres Strombedarfs aus Erneuerbaren beziehen, spätestens da wissen wir, ob die Strompreise wirklich fallen. Danach wird er sich – wie die Energiepreisbremsen – durch fallende Marktpreise selbst abschaffen. Bleiben die Preise hoch, hat der Standort Deutschland sowieso ein handfestes Problem und die energieintensiven Betriebe werden abwandern.
Die mancherorts geforderte Absenkung der Stromsteuer ist aber Politik mit der Gießkanne. Das hilft allen ein bisschen, aber denen, die es brauchen, zu wenig. Man sollte den Kreis der bedachten Unternehmen aber erweitern: Gerade sind es vor allem große Stromverbraucher. Wir brauchen für die Energiewende aber Elektrifizierung und Flexibilisierung. Die größte Lenkwirkung erreichen wir also, wenn wir den Unternehmen die Investitionen in elektrische Prozesse absichern und gleichzeitig die subventionierte Strommenge begrenzen. Damit werden flexible Produktionskapazitäten attraktiv, die volkswirtschaftlich gesehen helfen, die Strompreise zu senken.
Das Geld für den Brückenstrompreis steckt mehr als ausreichend im Wirtschaftsstabilisierungsfonds – weil wir weniger Geld für die Energiehilfen gebraucht haben.“