Israel schlägt mit aller Härte zurück, Hamas droht mit neuen Angriffen

von Redaktion

Vorbereitungen für eine Bodenoffensive im Gazastreifen laufen – UN-Menschenrechtsrat: Vollständige Blockade völkerrechtswidrig

Tel Aviv – Die Lage spitzt sich immer weiter zu: Die israelische Armee setzt ihre Luftangriffe auf den Gazastreifen fort und es verdichten sich die Hinweise auf eine bevorstehende Bodenoffensive. Die Hamas droht mit der Erschießung von Geiseln und neuen Angriffen. Sie habe den Bewohnern der israelischen Stadt Aschkelon nördlich des Gazastreifens ein Ultimatum gestellt, die Stadt bis gestern 17 Uhr Ortszeit zu verlassen. Danach werde es einen größeren Raketenangriff geben, berichteten israelische Medien. Der UN-Menschenrechtsrat hat unterdessen die von Israel angekündigte totale Blockade des Gazastreifens als völkerrechtswidrig kritisiert.

Auch am Dienstag feuerte die Hamas Raketen auf Israel. Israel wiederum nahm hunderte weitere Ziele im Gazastreifen unter Beschuss. Die Zahl der Toten stieg auf mehr als 900 auf israelischer Seite und auf mehr als 680 im Gazastreifen.

Allein bei einem Musikfestival ermordeten bewaffnete Hamas-Kommandos mehr als 270 meist junge Menschen. Im Kibbuz Beeri wurden mindestens 100 Leichen gefunden, wie am Dienstag bekannt wurde. „Sie haben alle erschossen“, sagte Moti Bukjin von der Organisation Zaka, die für die Bergung von Leichen zuständig ist. „Sie ermordeten kaltblütig Kinder, Babys, alte Menschen – jeden.“ Unbestätigten Aussagen israelischer Soldaten zufolge sollen auch enthauptete Babys gefunden worden sein.

Am Dienstag teilte die israelische Armee mit, sie habe „etwa 1500 Leichen von Hamas-Kämpfern“ gezählt und „mehr oder weniger“ wieder die Kontrolle über die Grenze zum Gazastreifen. Zum weiteren Vorgehen sagte Armeesprecher Richard Hecht, man habe 35 Bataillone in das südliche Grenzgebiet entsandt und baue die Infrastruktur „für künftige Einsätze“ auf. Die Evakuierung von 24 Ortschaften an der Grenze zum Gazastreifen sei „fast abgeschlossen“, hieß es. Zuvor hatte Israel bereits 300 000 Reservisten einberufen. Tieflader brachten Panzer zum Gazastreifen, der von Israel komplett von der Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln, Strom und Gas abgeschnitten wurde.

Viele Beobachter gehen von einer baldigen Bodenoffensive im Gazastreifen aus. „Was die Hamas erleben wird, wird schwer und schrecklich sein. Wir werden den Nahen Osten verändern“, hatte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schon am Montag angekündigt. Im Norden wächst derweil die Angst vor einem Eingreifen der mit der Hamas verbündeten libanesischen Hisbollah. Auch ein Eingreifen des Iran wird nicht ausgeschlossen. Viele Experten gehen davon aus, dass der Iran die Hamas bewaffnet und bei der Vorbereitung des Angriffs unterstützt hat (siehe Seite 4).

Irans Staatsoberhaupt Ali Chamenei hat eine Verstrickung in den Hamas-Terrorangriff gestern zurückgewiesen, aber zugleich seine Verbundenheit betont. „Natürlich verteidigen wir Palästina. Natürlich verteidigen wir die Kämpfe“, sagte der 84-Jährige. „Wir küssen die Stirn und die Arme der einfallsreichen und intelligenten Designer und der mutigen palästinensischen Jugend, wir sind stolz auf sie“, sagte Chamenei. „Natürlich ist die gesamte islamische Welt verpflichtet, die Palästinenser zu unterstützen und wird sie mit Gottes Erlaubnis unterstützen, aber das ist das Werk der Palästinenser selbst.“ Die Hamas selbst hatte am Wochenende erklärt, direkte Unterstützung für den Angriff vom Iran erhalten zu haben.

Die Regierungschefs der westlichen Welt haben Israel ihre volle Unterstützung zugesagt. An der angekündigten vollständigen Belagerung des Gazastreifens gibt es aber Kritik. Die Festlegung von Belagerungen, die das Leben von Zivilisten gefährdeten, „indem sie ihnen überlebenswichtige Güter“ vorenthielten, sei gemäß dem humanitären Völkerrecht „verboten“, erklärte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk. Das humanitäre Völkerrecht sei „eindeutig“: Die „Verpflichtung, die Zivilbevölkerung und zivile Objekte zu schonen“, gelte „auch während der Angriffe“.  wha

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