Tel Aviv/Gaza – Angesichts des Angriffs von Hamas-Terroristen auf Israel mit mindestens 1200 Toten und rund 3000 Verletzten hat sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Oppositionspolitiker Benny Gantz auf die Bildung einer Notstandsregierung geeinigt. Dies bestätigten Minister der Regierungspartei Likud am Mittwoch. Die Einheitsregierung wird als Zeichen der Geschlossenheit gewertet. Eine Bodenoffensive gegen die Hamas im dicht besiedelten Gazastreifen dürfte näher rücken. Aus dem Ausland erfuhr Israel viel Solidarität, doch es gab auch Mahnungen zur Mäßigung bei den Gegenschlägen.
Den Berichten zufolge sieht die Einigung vor, dass Netanjahu, Verteidigungsminister Joav Galant sowie der Oppositionspolitiker und ehemalige Verteidigungsminister Benny Gantz von der Partei Nationale Union ein Kriegskabinett bilden. Gantz will den Berichten zufolge fünf Minister für das Sicherheitskabinett stellen.
Führende Vertreter westlicher Länder erklärten sich solidarisch mit Israel. Auch Deutschland, das immer wieder betont, die Sicherheit Israels sei Teil seiner Staatsräson, steht fest an der Seite des Landes. „Ich versichere dem israelischen Volk, der Knesset und der israelischen Regierung die volle und uneingeschränkte Solidarität des Deutschen Bundestages“, sagte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas unter Beifall der Abgeordneten aller Fraktionen. Laut „Spiegel“ will die Bundesregierung Israel mit der Abgabe von Kampfdrohnen unterstützen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius gab demnach grünes Licht für die Nutzung der beiden Kampfdrohnen vom Typ Heron TP, mit denen deutsche Drohnenpiloten in Israel ausgebildet werden.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach Angaben aus Regierungskreisen unterdessen Verhandlungen mit der Hamas über die Freilassung von Geiseln begonnen. Irlands Regierungschef Leo Varadkar warnte davor, die internationale Unterstützung für Israel könne schwinden, sollte das Land mit seiner Reaktion gegen die Hamas zu weit gehen. „Aus Sicht Irlands sagen wir Israel: ,Ja, ihr habt ein Recht euch zu verteidigen, ihr seid umgeben von Feinden, die eure Existenz auslöschen wollen, aber jede Reaktion muss angemessen sein’“, sagte er dem Sender RTÉ.
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warf der Regierung in Jerusalem vor, mit Maßnahmen wie der Unterbrechung der Wasserversorgung, der Strom- und Nahrungsmittelversorgung für den Gazastreifen gegen das Völkerrecht zu verstoßen. Auch nach dem barbarischen Angriff der Hamas müsse man sich erinnern, dass das Recht auf Verteidigung im Rahmen des Völkerrechts ausgeübt werden müsse.
Der Sprecher der israelischen Armee, Jonathan Conricus, betonte, die Kämpfe würden in den kommenden Tagen noch intensiver werden. Die Bilder aus dem Gazastreifen würden dann noch „schwieriger zu verstehen und zu ertragen sein“. Bei den laufenden israelischen Luftangriffen ist nach palästinensischen Angaben der Bruder des ranghohen Hamas-Kommandeurs Mohammed Deif getötet worden.