Der Bulle lässt sich nicht unterkriegen

von Redaktion

VON ULRIKE SCHMIDT

Gauting– Sein Gewicht hat er nicht erst, seit Ottfried Fischer als Schauspieler und Kabarettist berühmt wurde; schon als Bub auf dem Bauernhof im niederbayerischen Ornatsöd und später im katholischen Internat zu Fürstenzell machten ihn seine Körperlichkeit, sein Witz und sein ebenso blitzschneller wie blitzgescheiter Verstand zur Marke und später auch zum Programm – als „Sir Quickly“ in „Irgendwie und Sowieso“, als „Bulle von Tölz“, als „Pfundskerl“, als „Pfarrer Braun“, aber auch als Kabarettist und Gastgeber im Schlachthof sowie in zahllosen anderen TV-Ereignissen.

Für Ottfried Fischer war und ist sein Leben da, wo er nicht den Bauch einziehen muss – es auch gar nicht will. Er sagt: „I kann net auf dem Trittbrett des Übergewichts fahren und es dauernd mit Füßen treten. Oder wie ein kluger Satz noch lauten könnte: Darauf warten, dass es mich mit Füßen tritt.“

Nun ja, es hat ihn die letzten Jahre schon etwas mit Füßen getreten. Inzwischen sitzt Ottfried Fischer im Rollstuhl, der Morbus Parkinson und seine Begleiterscheinungen. Deshalb ist er im vergangenen Jahr auch wieder zurück von Passau nach München gezogen – die unwegsame Drei-Flüsse-Stadt, das hat nicht funktioniert.

Mit seiner Frau Simone hat er sich einen alten Besitz direkt an der Würm in Gauting behindertengerecht umgebaut – ein Paradies. Aus großen Panoramafenstern kann Ottfried in die Natur hinaussehen, vor allem wenn er zum Schauen gezwungen ist. Denn gerade erst hat ihm eine Virusinfektion wieder arg zugesetzt, wie sich beim Besuch in seinem Gautinger Domizil anlässlich seines 70. Geburtstages zeigt.

Doch Jammern oder Wehklagen – das gibt’s bei Ottfried Fischer nicht. Wie Sir Quickly nimmt er sein Dasein schicksalsergeben hin. Er hat Pflege, und er hat seine Frau Simone – es fehlt ihm an nichts. „Ohne sie würde ich wahrscheinlich in einem Pflegeheim auf die Decke starren“, meint er dazu. Und: Er hat Robert Müller, seinen Freund, einst Produktionsleiter bei „Der Bulle von Tölz“. Der fährt ihn auch regelmäßig ins Niederbayerische, wo Ottis Mutter Maria mit 96 Jahren im Seniorenheim lebt.

„Mein Leben war immer die Suche nach der Freiheit von Fremdbestimmung“, resümiert Fischer. Und sein persönliches Paradies war die Sprache, die Lust am Spiel mit ihr. Da hat sich der Kabarettist und Buchautor von seinem abgebrochenen Jurastudium viel mitgenommen, aber auch von seiner Existenz als Bauerssohn. Womit wir wieder bei Franz Xaver Bogners Serie „Irgendwie und Sowieso“ wären. Wenn man Ottfried Fischer fragt, was für ihn die Rolle seines Lebens war, dann war es dieser Sir Quickly. Der unverstandene sensible Bauerssohn. Es ist ja auch irgendwie und sowieso seine Geschichte – eine kleine Welt aufzubrechen, Träume zu leben und die Liebe zu suchen und zu finden.

Ottfried Fischer hat im wahren Leben zunächst die große Liebe mit der Radiomoderatorin Renate gefunden, mit der er zwei inzwischen erwachsene Töchter hat. Aber auch da ist er ausgebrochen, um sich irgendwann wieder zu fangen – mit seiner Simone, die er vor zwei Jahren standesamtlich geheiratet hat. Eigentlich war eine große kirchliche Hochzeit geplant, doch nach dreimaliger Absage wegen Corona war die Luft raus.

Stattdessen wurde 2023 zum Festjahr erkoren: Schon im Juni stieg ein großes Sommerfest mit 150 Gästen bis halb fünf Uhr früh – Kabarett-Kollegen, Schauspieler, Freunde und Familie, alle waren da. Und dann waren Otti und Simone auch wieder am Wörthersee beim großen Lisa-Film-Fest; der legendäre Produzent Karl Spiehs setzte nämlich auch bevorzugt auf den Quotengaranten Fischer – mit Otto Retzer als Regisseur.

Ottfried Fischer ist dankbar für alles, was war und ist, auch wenn er im Moment nicht arbeiten respektive schreiben kann – er muss erst dem Parkinson wieder mehr Herr werden. Gerade laufen Fischers ganze Serien-Erfolge zum Runden im Fernsehen, allein in 69 Folgen gab er den Bullen von Tölz und wurde Quotenkönig von Sat.1. Doch als Sir Quickly wurde er Kult. „Der taugt schon für eine kleine Unsterblichkeit“, sagt Fischer. Er schaut sich selbst ganz gern im Fernsehen zu. „Es ist für mich der Weg herauszufinden, wann das mit dem Parkinson überhaupt begonnen hat.“

Bei einem Auftritt in Bad Kissingen bemerkte er die Veränderung zum ersten Mal bewusst; die Schüttellähmung machte sich schleichend breit. Vor 15 Jahren dann machte Ottfried Fischer seine unheilbare Krankheit öffentlich. Es wurde unüberhörbar, dass der Schnellsprecher Fischer immer langsamer wurde. Nur im Kopf ging alles genauso schnell wie eh und je. Fischer hat viel gearbeitet in seinem Leben. „Irgendwann derfs ja a amoi guat sei“, meint er völlig frei von Larmoyanz, um dann mit einem ironischen Schmunzeln nachzusetzen: „A Hund war i scho.“

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