Wie Schäuble der härteste Rivale der CSU wurde

von Redaktion

HINTERGRUND Das Verhältnis zur Schwesterpartei war schwer belastet – Kraftmeierei und Hinterzimmer-Methoden

München – Es sind nur wenige Sekunden, aber sie sagen so viel aus über das schwierige Verhältnis. Wer sein härtester Rivale gewesen sei, wird Markus Söder 2021 in einem ARD-Interview gefragt, sei es Horst Seehofer oder Armin Laschet? Söder blickt einen Moment zur Seite, sagt dann nur ein Wort: „Schäuble.“

Ein absolut ehrlicher Augenblick, und wenn nun in allerlei Nachrufen gelobt und vielleicht auch geheuchelt wird, darf nicht vergessen werden: Das Verhältnis zwischen Wolfgang Schäuble und der CSU war schwer belastet, irreparabel wohl. Dem langjährigen Bundestagspräsidenten wird eine tiefe Skepsis gegenüber der manchmal kraftmeiernden CSU nachgesagt. Er lehnte ihre Sonderwünsche, ihre offen präsentierte Bayern-Lobbyarbeit in Berlin zutiefst ab. Zu Strauß-Zeiten schon wurde diese Abneigung begründet, und nahtlos fortgeführt unter Stoiber und Seehofer.

Schäuble war es auch, an dem letztlich die Söder-Kanzlerkandidatur 2021 scheiterte. Er moderierte im April das entscheidende Gespräch, holte die Beteiligten eines Sonntagabends in sein Büro im Bundestag – und ließ Söder in die Falle laufen. Während sich reihum CDU-Leute für den Bayern aussprachen, sich die Sache Söder zuzuneigen schien, drückte Schäuble in diesen Stunden mit aller Macht Laschet durch. Vorab warnte er CDU-Granden, „wenn wir uns Söder beugen, dann ist unsere CDU tot“. Und, so zitiert ihn der Autor Robin Alexander in seinem intensiv recherchierten Buch über die letzten Merkel-Jahre: „Dann treten wir in vier Jahren als ,Liste Söder‘ an.“

Schäuble habe dann Laschet vorab am Telefon damit gedroht, im Fall eines Verzichts auf die Kanzlerkandidatur werde er sämtliche Ämter inklusive CDU-Vorsitz und Ministerpräsidenten-Titel in NRW verlieren. Und in der Runde in seinem Büro erwies sich Schäuble dann nicht als der erhoffte neutrale Makler, sondern stellt sich komplett hinter Laschet und gegen Söder. Am Ende brach er das Gespräch abrupt ab. Und für Söder war klar: Diese Runde ist verloren. Noch heute schildern CSUler das Gespräch lebhaft. Und zornig.

Es sei gefährlich, ausschließlich auf die Stimmen der Basis zu hören, sagte Schäuble später. Für die Union sei es insgesamt so herum besser. Dass er irrte, dass die Laschet-Kandidatur für die Union zum Fiasko wurde, dass Schäuble damit unfreiwillig Geburtshelfer der Ampel-Konstellation ist – weiß man hinterher.

Ein paar unschöne Worte rief die CSU dem Unionsfreund noch hinterher. In seinem „Hinterzimmer“ sei das ausgekartelt worden, sagten Abgeordnete in Fernsehkameras, das seien „Entscheidungsfindungsprozesse wie vor hundert Jahren“. Und die CSU drohte an, dass 2021 Schäuble nicht mehr Bundestagspräsident, protokollarisch zweithöchster Mann im Staate, wird. Der Posten ging dann eh an die SPD.

Zum ganzen Bild Schäuble/ CSU gehört allerdings auch das Jahr 2018. Damals bemühte sich der CDUler, das nach der Asylkrise schwer belastete Verhältnis der Unionsparteien zu kitten. Der Konflikt sei dramatisch, warnte er. Man schaue „in einen Abgrund“. Und Schäuble bat: Man müsse „behutsam miteinander umgehen“. Zumindest für ein Weilchen hielt das. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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