München – „Generation Future“ heißt die Studie, die die Münchner Schörghuber-Gruppe in Auftrag gegeben hat und die gestern vorgestellt wurde. Rund 2000 Menschen aus Deutschland im Alter von 16 bis 35 Jahren wurden Ende vergangenen Jahres repräsentativ befragt – aufgeteilt in die „Generation Z“ (16 bis 25 Jahre) und die „Generation Y“ (26 bis 35 Jahre). 44 Prozent der Befragten kamen aus Kommunen bis 20 000 Einwohner, 25 Prozent aus Orten bis 100 000 Einwohner, die restlichen 31 Prozent aus Großstädten. 41 Prozent der Befragten waren Single und die Hälfte arbeitete bereits in Vollzeit. Die Studie, die 49 Fragen aus den Bereichen Wohnen, Arbeit, Mobilität sowie Konsumverhalten und Zukunftserwartung umfasst, wurde von vier Wissenschaftlern begleitet.
Wohnen
Ein Großteil der Befragten möchte in den nächsten fünf bis zehn Jahren „traditionell“ wohnen. Das heißt: am liebsten in einer Mietwohnung, die als Zwischenlösung gesehen wird (41 Prozent), oder in einem eigenen Haus (33 %). Eine Eigentumswohnung, ein Mietshaus oder Wohngemeinschaften kommen nur für die Wenigsten infrage.
Auffällig ist, dass die Jüngeren eine Mietwohnung und die Älteren ein eigenes Haus bevorzugen. „Die traditionelle Vorstellung vom Wohnen mit der Familie nimmt bei der jüngeren Generation Z ab“, sagt Professor Dr. Hanspeter Gondring, Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Immobilienwirtschaft. Rund die Hälfte aller Befragten wünscht sich vielmehr, zu zweit mit dem Partner zusammenzuwohnen – am besten in der Großstadt. Rund 28 Prozent wollen in Zukunft in einer Stadt mit über 100 000 Einwohnern leben. Die Hauptgründe: bessere ÖPNV-Anbindung, bessere Job- und Weiterbildungsmöglichkeiten, kulturelle Angebote.
Arbeiten
Das Wichtigste ist den Jüngeren mit 85 Prozent der Spaß an der Arbeit – unabhängig von ihrer Generation. 72 Prozent sehen den Job allerdings als „notwendiges Übel, um Geld zu verdienen“. Und 59 Prozent glauben, dass das Modell der aktuellen Arbeit überholt ist und durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ersetzt werden sollte.
Aber: „Entgegen vieler öffentlicher Vorurteile sind die Angehörigen der jungen Generationen in Bezug auf Arbeit und Beruf hoch motiviert“, sagt Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, renommierter Jugendforscher aus Berlin. Denn für die Meisten liege die Priorität auf der Sicherstellung des privaten Lebensideals, was nur mit einem sicheren Einkommen möglich ist. Ebenso werde es jungen Menschen zunehmend wichtiger, dass es Angebote zur persönlichen Weiterbildung gibt und sich der Beruf mit Privatleben und Familie vereinen lässt. Bei den Arbeitsmodellen bleibt der klassische Achtstundentag im Büro der Favorit – vor allem bei jungen Männern. Allerdings gibt es laut der Studie auch einen wachsenden Trend zu Hybridmodellen mit einem oder zwei Tagen Homeoffice in der Woche.
Mobilität
Das Auto ist und bleibt das beliebteste Verkehrsmittel. Im Schnitt nutzen die jungen Befragten den eigenen Pkw doppelt so oft wie den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Bei der Generation Y ist das noch ausgeprägter: Da ist das Auto (44 Prozent) dreimal so beliebt wie Bus und Bahn (15). Bei den Jüngeren der Generation Z gibt es dagegen bereits eine Verschiebung hin zum ÖPNV: Nur noch 28 Prozent nutzen das Auto am liebsten, 23 Prozent die Öffentlichen. Das Fahrrad kommt in beiden Generationen auf nur elf Prozent.
Wenig überraschend: Auf dem Land ist das Auto wichtiger. 51 Prozent der Befragten, die ländlich wohnen, nutzen das Auto, bei den Städtern sind es nur 28 Prozent.
Konsumverhalten
„Fridays for Future“ oder die „Letzte Generation“: Jungen Menschen wird Klima- und Umweltschutz wichtiger. Fast die Hälfte der Befragten glaubt, dass ein Wandel in der Klimakrise durch das persönliche Verhalten eines jeden Einzelnen erreicht werden kann. Im Gegensatz dazu glauben nur 39 Prozent an politische Maßnahmen. Das Problem: „Die Bereitschaft zu Verzicht zum Schutz des Klimas scheint nur bedingt verbreitet zu sein“, sagt Konstanze Senge, Professorin für Wirtschafts- und Organisationssoziologie. So seien nur 40 Prozent bereit, ihr Konsumverhalten wenigstens teilweise zu ändern. Jeder Sechste wolle das gar nicht.
Einzig Mülltrennung und Recycling sind die Maßnahmen, die der Großteil der Befragten für den Umweltschutz bereits umsetzt. Auch das Sparen beim Energie- und Wasserverbrauch wird zum Teil von jungen Menschen praktiziert. Genauso sind die Generationen Z und Y mehrheitlich bereit, den Fleischkonsum einzuschränken und mehr regionale Lebensmittel zu kaufen. Auf das eigene Auto (30 Prozent), Online-Shopping und Flugreisen (jeweils 20 Prozent) will aber nur eine Minderheit verzichten.
Zukunftserwartung
Nach ihren Ängsten befragt nennen beide Generationen Kriege (62 Prozent) an erster Stelle. Auch Klimakatastrophen (39), Arbeitslosigkeit (38), soziale Unruhen (34), unkontrollierte Migration (31) und Pandemien (30) beschäftigen die Befragten. Trotz der aktuellen Kriege und der Klimakrise blickt die Mehrheit der Befragten aber positiv nach vorne. Nur vier Prozent haben eine negative Zukunftserwartung. Auffällig: Bei der jüngeren Generation Z sind es doppelt so viele wie bei der Generation Y.
Gemeinsam haben die Generationen, dass die wichtigsten Dinge privates Glück (90 Prozent) und Gesundheit (89 Prozent) sind. Auf einem der letzten Plätze landen in beiden Altersklassen die Nachhaltigkeit und die Rettung des Klimas – trotzdem sind es noch knapp über 60 Prozent.
Fazit
Den Wissenschaftlern zufolge gewinnen das Privatleben und traditionelle Werte in Zukunft wieder mehr an Bedeutung. Das unterscheide die Generationen Z und Y von den Babyboomern und der Generation X (siehe auch Kasten). Zudem falle auf, dass die jüngeren Generationen die „krisenhafte Umwelt“ nicht leugnen, sondern sich mit den neuen Herausforderungen intensiv auseinandersetzen und „mit ein wenig Unterstützung“ bereit seien, nach Auswegen aus schwierigen Situationen zu suchen.