Es begann mit einem Viehmarkt in Vilshofen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sammelten sich dort in Niederbayern regelmäßig die Landwirte. Dabei feilschten sie nicht nur um Tierpreise, sondern nahmen beim Bier auch die königlich-bayerische Regierung ins Visier. 1919 lud der Bauernbund zu Kundgebungen – die Geburt des Politischen Aschermittwochs. Mehr und mehr Parteien entdeckten das Format. 1932 die „Bayerische Volkspartei“, 1933 auch Kommunisten und NSDAP, später bis 1938 nur noch die Nazis. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfand die Bayernpartei den Aschermittwoch neu, damals gedacht zu heftigen Attacken auf die CSU.
Wie so manchmal in Bayerns Politik, schaute sich die CSU das kurz an – und kaperte das Konzept. 1953 lud die CSU zu ihrer ersten Kundgebung in den „Wolferstetter Keller“ in Vilshofen. Einer der Redner war ihr Generalsekretär, er hieß Franz Josef Strauß. Allmählich wurde der Termin so beliebt, dass die CSU das enge Wirtshaus verlassen und in Hallen ausweichen musste – 1975 nach Passau in die Nibelungenhalle, später in die Dreiländerhalle. Ihr populärster Redner wurde neben Strauß Edmund Stoiber, der hochemotional zwei Stunden und länger die Halle antrieb.
Im Laufe der Jahre stiegen sämtliche Parteien ein. Den wieder freien Wolferstetter Keller nutzt inzwischen die SPD. Nur 1999 nicht, da war er zu klein, weil Kanzler Gerhard Schröder kam. Die Bayernpartei, die sich als Erfinder des Spektakels rühmt, ist auch noch tapfer am Start, in eher kleiner Runde in einem Vilshofener Gasthaus. dpa/cd
CSU: Manfred Weber und Parteichef Markus Söder reden in Passau neben Generalsekretär Martin Huber und Niederbayern-Chef Christian Bernreiter. SPD: Der Bundesvorsitzende Lars Klingbeil kommt nach Vilshofen. Dort spricht auch der bayerische Vorsitzende Florian von Brunn. Grüne: Parteichef Omid Nouripour und Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze reden in Landshut. FDP: Europa-Kandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann spricht in Dingolfing. AfD: In Osterhofen reden der Landesvorsitzende Stephan Protschka und Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner. Freie Wähler: Hubert Aiwanger ist Hauptredner in der Stadthalle Deggendorf. Bayernpartei: Hauptredner in Vilshofen ist Parteichef Florian Weber. ÖDP: Die Chefs Agnes Becker und Tobias Ruff in Passau. BSW: Sahra Wagenknecht spricht erstmals in Passau. Die Linke: Janine Wissler als Vorsitzende und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow reden in einem Gasthof in Passau.