Herrenreliquien gibt es viele – vor allem Splitter des Kreuzes

von Redaktion

München – Es gibt neben der Dornenkrone Christi weitere „Herrenreliquien“, die Berühmtheit erlangt haben: Das Turiner Grabtuch ist wohl die bekannte^^ste Reliquie der Christen. Bis heute rätseln Forscher darüber, wie alt das Leintuch ist, das in der Grabtuchkapelle des Turiner Doms aufbewahrt wird und in Negativ-Aufnahmen ein plastisches und lebensnahes Abbild eines Menschen erkennen lässt. In der Antike wurden nur Objekte, die mit den Heiligen in Berührung gekommen sind, als Reliquien zugelassen, „weil Gräber damals als heilig und unverletzlich galten“, erklärt Roland Götz, stellvertretender Archiv-Direktor des Münchner Erzbistums. Erst im frühen Mittelalter (470-1000 n.Chr.) wurden von Märtyrern Knochen aus Gräbern entnommen.

In dieser Zeit beginnt sich das Christentum auch im Bereich des heutigen Bayern zu verbreiten. Das Erzbistum feiert in diesem Jahr sein 1300-jähriges Jubiläum mit der Ankunft des Heiligen Korbinian. „Damals wurden viele Klöster gegründet und Kirchen gebaut. Herrscher und Klosterstifter wollten mithilfe von Reliquien von Märtyrern aus Rom eine leibhafte Verbindung zu den Anfängen des Christentums herstellen“, sagt der Kirchenhistoriker. Von Jesus könne es ja – dank Auferstehung und Himmelfahrt -– keine „Primärreliquien“, also Knochen, geben. Daher habe das Kreuz als „Werkzeug der Erlösung“ eine große Bedeutung.

Zur Behauptung, man könne mit den Kreuzpartikeln (siehe Artikel rechts), die weltweit in Kirchen aufbewahrt werden, einen ganzen Wald bestücken, verweist der Historiker auf das „Lexikon für Theologie und Kirche“ (LThK) von 1934. Damals kursierte die Aussage eines französischen Autoren, das Volumen aller Kreuzpartikel umfasse neun bis zehn Millionen Kubikmillimeter. Das LThK stellte entgegen, dass das Volumen eines drei bis vier Meter hohen Kreuzes schon 57,5 Millionen Kubikmillimeter umfasse (0,0575 m3). „Da ist also noch gut Luft, selbst wenn man sämtliche Kreuzpartikel zusammenrechnet“, sagt Götz mit einem Schmunzeln.

Spannend ist die Legende von der Auffindung des Kreuzes. Demnach reiste Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin, ins Heilige Land. Das Kreuz Christi soll um das Jahr 325 unter einem heidnischen Tempel gefunden worden sein bei Grabungsarbeiten, die Helena angeordnet haben soll. Teile davon nahm sie mit nach Konstantinopel. Von dort aus verbreiteten sie sich in alle Welt. C. MÖLLERS

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