HINTERGRUND

Wie die Grafen von Dachau an ihr Kreuzrelikt kamen

von Redaktion

Mit der großen Kreuzmonstranz ziehen die Benediktinermönche in Scheyern (Kreis Pfaffenhofen/Ilm) an diesem Freitag um 15 Uhr in ihre Kirche ein. In der Monstranz befindet sich einer der größten Splitter des Heiligen Kreuzes – er wird verehrt als Bestandteil des Kreuzes, an das Jesus auf Golgatha geschlagen wurde. Beachtliche 18,5 Zentimeter hoch ist der lange Splitter, der obere Querbalken ist vier Zentimeter breit, der untere 8,1 Zentimeter. Doch die Scheyrer Kreuzreliquie besticht nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre Legende.

Ins Abendland sind die Kreuzpartikel gekommen, weil man im Heiligen Land Geld gebraucht hatte, um die Heiligen Stätten zu erneuern und in den Kreuzzügen Befestigungen zu finanzieren, sagt Cellerar Pater Lukas Wirth. „Geld muss her, und da hat man zwischen 1155 und 1157 einen Kanoniker namens Konrad losgeschickt, um Spenden zu sammeln.“ Konrad zog auch durch Oberbayern – „und die Grafen von Dachau, die gerade knapp bei Kasse waren, haben ihm nicht nur das Spendengeld, sondern auch das mitgeführte Kreuzreliquiar geraubt.“ Die Dachauer sind eine Nebenlinie der Scheyrer Grafen – der Wittelsbacher. Der letzte Dachauer Graf hat das Reliquiar kurz vor seinem Tod, versteckt in einem Strumpf, ins Kloster Scheyern gebracht. Der Strumpf ist sogar noch im Archiv erhalten. Scheyern wurde damals ein Ersatz-Wallfahrtsort für Jerusalem.

Kleinere Kreuzpartikel gibt es in vielen Kirchen. Etwa in der Kirche St. Magdalena in Fürstenfeldbruck. Das Reliquiar mit zwei Partikeln, die kreuzförmig eingesetzt worden sind, wird heute noch beim Wettersegen verwendet. Darüber hinaus gibt es in St. Magdalena noch weitere Kreuzpartikel, die von einem Weihbischof im Jahre 1728 an den Birgittenorden in Altomünster geschenkt worden sind. Beide Kreuzreliquien sind in silbervergoldete Kreuze eingearbeitet worden.  cm

Artikel 4 von 4