Gib Drohnen keine Chance: Ein Polizist zeigt Innenminister Herrmann (l.), wie Fluggeräte abgewehrt werden. © Kneffel/dpa
München – Ein wenig irritiert ist er schon, als die Fotografen ihn zum Foto mit „Albärt“ bitten. Da müsse er gleich an den Finanzminister denken, sagt Joachim Herrmann, und hatscht ruhig über den makellosen Rasen. Doch statt des Kabinetts-Kollegen Füracker wartet ein knuffiger Bär in Trikot und Stutzen auf ihn, das EM-Maskottchen, das ebenso gut Bärnardo, Bärnheart oder – nicht gelogen – Herzi von Bär hätte heißen können. Nun gut, jetzt also: Fotos.
Es ist ein besonderer Termin zu besonderem Anlass. In einer Woche startet die Fußball-EM mit dem Eröffnungsspiel in der Allianz Arena, die für die Dauer des Turniers Fußball Arena München heißen wird. In die Vorfreude mischt sich Sorge, gerade nach dem Attentat von Mannheim, bei dem ein Islamist einen Polizisten tötete. Das Sicherheitskonzept zur EM steht deshalb besonders im Fokus. Am Spielfeldrand erklärt der Innenminister, wie das Turnier geschützt werden soll.
Die gute Nachricht: Hinweise auf eine konkrete (Anschlags-)Gefahr durch linke, rechte oder islamistische Extremisten gibt es bisher nicht. Herrmann sieht Bayern insgesamt „optimal“ vorbereitet.
Wie üblich setzt der Freistaat auf große Polizeipräsenz, vor allem an den sechs Spieltagen in München. Rund 2000 Beamte sind dann jeweils im Stadtgebiet und rund um das Stadion im Einsatz, unterstützt von Kollegen aus dem europäischen Ausland. Auch private Sicherheitsdienste sind gebucht, 1200 Männer und Frauen allein beim Eröffnungsspiel am Freitag. Sie sollen verhindern, dass Messer oder andere Waffen ins Stadion geschmuggelt werden.
Auch der Luftraum im Stadion soll geschützt werden, Herrmann spricht von einem engmaschigen Schutzkonzept. Dass mit Überraschungen von oben zu rechnen ist, zeigte die EM vor drei Jahren. Damals flog ein Greenpeace-Aktivist kurz vor Spielbeginn über die Allianz Arena, verhedderte sich im Stahlseil des Blitzableiters und stürzte aufs Spielfeld. Diesmal geht es eher um die Abwehr von Drohnen. Speziell ausgebildete Polizisten sollen etwaige Fluggeräte mit Störgeräten, sogenannten Jammern, vom Himmel holen.
„Bei Sicherheitsstörungen werden wir schnell und konsequent eingreifen“, sagt Herrmann. Nach Möglichkeit will man sie aber gleich vermeiden. Ausgeweitete Grenzkontrollen und Schleierfahndung sollen helfen, Fußball-Rowdys oder Gefährder frühzeitig zu erkennen. Mit den anderen Sicherheitsbehörden in Deutschland und Europa sei man im ständigen Austausch.
Kaum kalkulierbare Restrisiken bleiben, darauf weist auch Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel hin. „Emotionalisierte Einzeltäter“ wie in Mannheim könne es immer geben – „wir sind hochwachsam“. Der Tod des Mannheimer Kollegen ist auch für Münchens Polizisten eine schwere Belastung, in den nächsten Wochen sind sie trotzdem besonders gefordert. Neben dem normalen Geschäft – rund 1000 Einsätze am Tag – und der EM laufen auch noch Konzerte und andere Großveranstaltungen. Eine gewaltige Belastung. Hampel sagt: „Ich denke, dass wir bestmöglich vorbereitet sind.“
München kommt zugute, dass zumindest in der Vorrunde keine Hochrisikospiele, bei denen verfeindete Fangruppen aufeinandertreffen, auf dem Plan stehen – das Ukraine-Spiel gegen Rumänien am Montag eingeschlossen. Eine pfiffige Idee der Stadt München soll dazu beitragen, dass es friedlich bleibt: die Fanbiergärten. Wenn am Freitag zum Beispiel die Schotten anrücken, dann bringen Busse sie gezielt in bestimmte Biergärten – später fahren Shuttlebusse Richtung Arena. „Die Idee ist, dass sich die Fans nicht einfach in der Stadt München begegnen und unter Alkoholeinfluss irgendwas passiert“, sagt Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller-Gradl. Ein freiwilliges Angebot – die Fanverbände seien aber angetan. M. MÄCKLER