Alles im grünen Bereich: Felix Bernhards Cardisio-Ergebnis zeigt an, dass er keine schwere Herzerkrankung hat. © SIGI JANTZ
München – Die Cardisiographie ist ein 3D-Herz-Check, der mithilfe Künstlicher Intelligenz Herzerkrankungen sehr sicher ausschließen oder bestätigen kann. „Viel genauer und viel früher als bei einem EKG oder Belastungs-EKG können damit Durchblutungsstörungen des Herzens zum Beispiel aufgrund der koronaren Herzkrankheit (KHK) sowie Herzrhythmusstörungen erkannt werden“, sagt Dr. Milan Dinic.
Für den Patienten fühlt sich die Cardisiographie nicht anders an wie ein EKG: Die elektrischen Signale des Herzens werden über fünf Elektroden auf der Haut vier Minuten lang aufgezeichnet. „So habe ich inklusive Auswertung nach zehn Minuten und mit einer Genauigkeit von 94 Prozent einen präzisen Überblick über das Infarktrisiko meines Patienten“, sagt Dinic. Er arbeitet in seiner Praxis an der Theatinerstraße 44 (Innenstadt) seit drei Jahren mit dieser in Frankfurt entwickelten Technologie. Sie zählt heute zum Standard bei vielen Kardiologen und Hausärzten. Laut einer Auswertung der Cardisio-Entwickler waren bei 162 000 Cardisiographien 30 Prozent auffällig, elf Prozent sollten schnell weiter untersucht und behandelt werden.
Medikamente helfen
Milan Dinic arbeitet für Notfälle mit dem Deutschen Herzzentrum in München-Neuhausen zusammen. Einigen Menschen hat er damit wahrscheinlich das Leben gerettet: „Auffallend war, dass die meisten dieser hochgefährdeten Menschen körperlich scheinbar topfit waren.“ Tatsächlich jedoch hatten sie teils dramatische Verengungen der Herzkranzgefäße. Weniger dramatische Diagnosen wie beginnende und mittlere Verengungen der Herzkranzgefäße oder Vorhofflimmern kann Dinic konservativ behandeln, mit Medikamenten gegen zu hohe Blutdruck- oder Cholesterinwerte, Blutverdünnern und in Einzelfällen mit Betablockern. Sein Rat: „Warten Sie nicht, bis erste Symptome auftreten. Dann ist eine Herzerkrankung unter Umständen schon weit fortgeschritten. Wer Bescheid weiß über eine Herzerkrankung, kann ganz anders damit umgehen und vorsorgen.“
Richtig atmen üben
Als Stressmediziner behandelt Dr. Dinic oft auch Menschen, die im Alltag enorm unter Druck stehen. Sein Tipp: Die Herzkohärenz-Atmung (lat.: cohaere = zusammenhängen): Bei großer Aufregung wie zum Beispiel einem spannenden Fußballspiel beschleunigt sich unbewusst der Atemrhythmus. Man atmet flach und unregelmäßig, hat dann Kopfschmerzen und Verspannungen. Eine bewusste, tiefe Bauchatmung dagegen löst den Druck. Der Körper schüttet Glückshormone wie Endorphine und Serotonin aus. Dinic: „Die Herzkohärenz-Atmung synchronisiert die Rhythmen von Herzschlag, Atmung und Blutdruck. Die Folge: eine nachweisliche Entspannung.“ Wer sich dabei anleiten lassen möchte: Die App Breath Ball – Atmen zur Stressbewältigung gibt es kostenlos in allen App-Stores.
Diese Wege ging auch Familienvater Felix Bernhard, der nach seiner Bluthochdruck-Diagnose bewusster, aber genauso fröhlich wie vorher lebt. Vor wenigen Tagen unterzog er sich einer Cardisiographie – und kam nach nur zehn Minuten sehr erleichtert aus dem Behandlungszimmer: „Jetzt habe ich Gewissheit. Alles im grünen Bereich. Das Sommermärchen 2.0 kann kommen. Ich bin jedenfalls bereit!“ Wie das wohl fürs deutsche Nationalteam ausgehen wird? „Nach diesem Superstart traue ich unserer Mannschaft alles zu.“
DOP