DAS KLEINE BARTQUIZ: WER BIN ICH?

Der Schnauzer feiert sein Comeback

von Redaktion

Es ist vollbracht: Markus Drexler mit seinem neuen Oberlippen-Look. © Wochinger

Nicht jedem steht Schnauzer, sagt Barbier Daniel Pieropan, hier mit Kunde Markus Drexler. © Foto: Max Wochinger

München – Der Bart auf der Oberlippe kann viele Formen haben – vom dünnen Strich bis zum dichten Schnauzer. Und in seiner Geschichte musste er allerlei ertragen: Rotzbremse, Bürste oder Pornobalken, spöttische Namen gibt es viele. Letzterer stammt tatsächlich aus der Pornofilm-Branche, wo der Oberlippenbart in den 1970er-Jahren bei den männlichen Akteuren gängig war. Maßgeblich geprägt hat ihn der US-Amerikaner John Holmes, der in mehr als 1750 Pornofilmen mitgewirkt hat.

In den 1980ern war dann der Chevron-Bart, ein breiter Streifen, der die gesamte Oberlippe bedeckt und zum Mund hin leicht abgewinkelt ist, der Inbegriff von Männlichkeit. Prominente Träger waren „Magnum“-Star Tom Selleck, Queen-Frontmann Freddie Mercury oder „Schimanski“-Darsteller Götz George. In den USA feierte der Schnurrbart schon im vergangenen Sommer ein so auffälliges Comeback, dass sogar die „New York Times“ fragte: „Warum hat jeder Mann, der Ihnen ins Auge fällt, einen Schnurrbart?“ Nun ist er also auch bei uns zurück.

Ein Schnurrbart steht aber nicht jedem Mann. Da ist sich Barbier Daniel Pieropan sicher. Männern mit großen Nasen zum Beispiel rät er vom Oberlippenbart ab. „Die Nase ist schon prominent genug, der Schnurrbart würde die Aufmerksamkeit nur noch mehr auf sie lenken”, sagt der Profi vom Barber House in München. Auf seinem Stuhl liegt gerade Markus Drexler. Er hat alles, was es für einen auffälligen Oberlippenbart braucht: ein ovales Gesicht, den richtigen Abstand zwischen Nase und Oberlippe und einen kräftigen Bartwuchs. Dem Schnurrbart steht also nichts mehr im Wege – und deshalb lässt er sich heute zum ersten Mal in seinem Leben einen machen.

Während der gebürtige Italiener Drexlers Gesicht mit Rasierschaum einschmiert, erzählt er vom Trend zum Oberlippenbart. Schon vor ein paar Jahren sei er wieder in Mode gekommen, sagt der 34-Jährige. „Bis vor Kurzem waren Vollbärte angesagt, aber die Bärte werden generell wieder kürzer. Und jetzt ist die Zeit reif für den Oberlippenbart.” Männer hätten verstanden, dass sie mit ihren Details im Gesicht spielen können. Den Höhepunkt des Trends sieht Pieropan noch nicht erreicht, doch schon jetzt verpasse er täglich drei Kunden eine Nassrasur mit Schnauzer. „Der Oberlippenbart wird bald wieder normal sein.”

Schnauzer sehe man seit dem letzten Jahr öfter, sagt auch Antonio Weinitschke, Art Director beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. „In Deutschland ist man immer etwas später dran.“ In Nordamerika boomten Oberlippenbartversuche schon während der Corona-Pandemie. Für das Revival nennt Weinitschke mehrere Gründe. „In der Mode erleben wir gerade mal wieder ein wenig die 80er – frisurentechnisch, klamottenmäßig –, etwa mit Schulterpolstern oder locker sitzenden Bundfaltenhosen. Und da gehört der Oberlippenbart einfach mit dazu.“ Auch der Münchner Barbier Daniel Pieropan bestätigt: „Man muss nur auf die Straße gehen, die 80er sind wieder da: die Klamotten, der Vokuhila. Die jungen Leute stehen auf Retro.”

Auch Markus Drexler will mit dem Trend gehen – schon sein Vater trug einen Schnauzer. „Mein Papa ist mein großes Vorbild und ich habe mir schon als Kind einen Schnurrbart gewünscht”, sagt der 37-Jährige. Nun wird Drexler selbst wieder Vater. Doch bevor es so weit ist, will er sich noch eine Stunde beim Barbier gönnen.

Ein Oberlippenbart ist mehr als eine Bartfrisur – es ist ein Lebensgefühl. Hier im Barber House wird das deutlich: Der Laden ist elegant eingerichtet, an der Bar gibt es Rum aus der Dominikanischen Republik und kubanische Musik. Hier entspannen sich Männer, die sich als junge, elegante Herren verstehen. Um sie kümmert sich ein internationales Team: Barbier Pieropan hat sein Handwerk bei einem erfahrenen Meister in Italien gelernt. Er selbst trägt einen Sechs-Tage-Bart mit Schnurrbart. Dieser Stil sei derzeit besonders angesagt, sagt er.

Der Bartexperte ist inzwischen bei Drexlers Mundwinkeln angekommen. „Die sind das Wichtigste”, sagt er, „der entscheidende Punkt beim Rasieren.” Lässt man die Bartstreifen an den Mundwinkeln bis zum Kinn laufen, entsteht ein Hufeisenbart – wie bei Actionlegende Hulk Hogan. „Diesen Bart wird es immer geben”, sagt Pieropan. Dann gibt es noch den Bleistiftbart: ein hauchdünn rasierter Bart oberhalb der Lippe. Ein bekannter Vertreter dieser Gattung war der US-Schauspieler Clark Gable. Auch der Bart, den viele von der Wiesn kennen, darf nicht fehlen: der Zwirbelbart. Der wird an den Seiten mit Bartwichse nach oben oder außen gezwirbelt. „Das Stylen der Mundwinkel kann den Gesichtsausdruck komplett verändern.”

Drexler hat sich für einen originalen Schnurrbart entschieden. Freie Oberlippe, Bart bis zum Nasenansatz und leicht abfallende Mundwinkel. Barbier Pieropan wäscht seinem Kunden das Gesicht und trägt eine Hautpflege auf. Dann wirft Drexler einen ersten Blick in den Spiegel. „Finde ich mega“, sagt er und tastet seinen neuen Schnurrbart ab. „Habe ich mir ganz anders vorgestellt.“

„Steht dir sehr gut“, sagt der Barbier. Aber das hat er mit seinem erfahrenen Blick schon vorher gesehen. „Der Schnurrbart wird uns erstmal als Trend bleiben“, sagt er. Und was kommt als Nächstes? „Koteletten“, meint Pieropan, „damit werden wir in den nächsten Jahren viele Männer sehen.“

Auflösung

oben v. links: Schauspieler Brad Pitt, Sänger Justin Bieber, Queen-Sänger Freddie Mercury; unten v. links: Schauspieler Tom Selleck, Schauspieler Albrecht Schuch, Schauspieler Florian David Fitz.

Artikel 4 von 4