INTERVIEW

„Man kann gar nicht genug aufklären“

von Redaktion

München – Der Diabetikerbund Bayern ist die größte Selbsthilfeorganisation von und für Menschen mit Diabetes im Freistaat. Seit 70 Jahren setzt er sich für eine wohnortnahe, gute ärztliche Versorgung von Diabetes-Patienten und die Wahrung ihrer Rechte ein. Ziel ist es, Betroffene und ihre Angehörigen zu unterstützen und zu beraten. Die ausgebildete Diätassistentin Angelika Robida (73) ist selbst an Diabetes Typ 2 erkrankt und leitet seit fast 25 Jahren die Selbsthilfegruppe des Diabetikerbundes im Münchner PEP in Neuperlach.

Frau Robida: Diabetes ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Was bringt einem Diabetes-Patienten die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe?

Der Austausch untereinander ist sehr wichtig – über Erfahrungen mit Medikamenten, Ärzten, körperlichen Beschwerden oder über die richtige Fußpflege. Dann laden wir regelmäßig Referenten zu Vorträgen ein, zum Beispiel über antientzündliche Ernährung oder Zahngesundheit. Wir stellen Ratgeber über geeignete Lebensmittel zur Verfügung und bieten Kurse für Pilates und Yoga an. Ausreichend Bewegung ist ja mit das wichtigste Thema und gezieltes Krafttraining zum Muskelaufbau kann sehr viel helfen.

Reichen die Angebote für die vielen Betroffenen aus?

In München auf jeden Fall, im Umland tut man sich mit Selbsthilfegruppen etwas schwerer, aber es gibt auch hier genügend Gruppen, an die man sich wenden kann. Es dauert allerdings oft, bis sich Betroffene dazu aufraffen, selbst aktiv zu werden. Viele Diabetiker sind zögerlich und man muss sie etwas schubsen (lacht).

Warum ist es für Diabetiker wichtig, selbst was zu tun?

Viele Betroffene wollen es nicht wahrhaben, dass man mit der richtigen Ernährung und mit moderater Bewegung viele unangenehme Spätschäden der Erkrankung vermeiden kann. Und schauen Sie mal, was die Menschen in ihren Einkaufswagen haben! Da kann man gar nicht genug aufklären.

Ernährung ist ein wichtiges Thema. Was ist beim Blick in den Einkaufswagen besonders schädlich?

Diese gezuckerten Softgetränke sind am schlimmsten. Es bringt auch nichts, wenn sie mit Süßstoff gesüßt sind, das regt nur den Appetit an. Eine Zuckersteuer so wie in England wäre auch für Deutschland nicht schlecht. Bei uns sind die Softgetränke so billig, da trinkt keiner mehr Wasser.

Wie kann ich mich einer Selbsthilfegruppe für Diabetiker anschließen?

Im Internet findet man alle Selbsthilfegruppen aus ganz Bayern. Sie brauchen sich nur telefonisch oder per Mail anzumelden. Die Teilnahme an den Treffen und Vorträgen ist kostenlos. Auch für Angehörige.

Artikel 2 von 4