Rettungskräfte bergen Leichen im Dorf Kana im Südlibanon, das auch von israelischen Luftangriffen getroffen wurde. © dpa
Beirut – Eine Reihe schwerer israelischer Luftangriffe hat die südlibanesische Stadt Nabatija und Umgebung getroffen. Einer Meldung der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA zufolge gab es mindestens sieben Luftschläge auf die Stadt selbst.
Bei einem Angriff auf Gebäude der Stadtverwaltung seien 16 Menschen getötet und 52 verletzt worden, hieß es in einer Mitteilung des libanesischen Gesundheitsministeriums. Laut einer NNA-Meldung wurde auch der Bürgermeister Nabatijas, Ahmad Kahil, getötet.
Der geschäftsführende libanesische Regierungschef, Nadschib Mikati, bezeichnete den Angriff auf die Stadtverwaltung als „Verbrechen“. Der Luftschlag sei gezielt auf eine Sitzung gerichtet gewesen, bei der es um die humanitäre Situation gegangen sei, sagte Mikati. Er warf der internationalen Gemeinschaft vor, absichtlich zu israelischen Angriffen auf Zivilisten zu schweigen.
Das israelische Militär teilte hingegen mit, es habe dutzende terroristische Ziele der Schiitenmiliz Hisbollah im Gebiet Nabatijas angegriffen und unterirdische Infrastruktur der Eliteeinheit Radwan zerstört. Bei weiteren Angriffen auf den Ort Kana im Libanon wurden nach Behördenangaben drei Menschen getötet und 54 verletzt. Im Osten des Landes kamen bei israelischen Angriffen zwei Menschen ums Leben, neun wurden verwundet.
In Deutschland geht derweil der Streit um Waffenlieferungen an Israel weiter. Regierungssprecher Steffen Hebestreit bestätigte am Mittwoch, dass es seit März keine solchen mehr gab. Allerdings wurden heuer bereits Rüstungsexporte für insgesamt 45,7 Millionen Euro genehmigt. Ob es sich dabei auch um Kriegswaffen handelt, ist unklar. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte in Berlin: „Es gibt Lieferungen und wird auch immer weitere Lieferungen geben. Israel kann sich auf unsere Solidarität verlassen – jetzt und in aller Zukunft.“
Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte in einem Bericht, über Genehmigungen werde im Einzelfall und im Lichte der jeweiligen Situation entschieden. Dabei berücksichtige die Bundesregierung die Einhaltung des humanitären Völkerrechts sowie die aktuelle Lage in der Region.
Die US-Regierung hatte erst am Dienstag wegen der schlimmen humanitären Lage im Gazastreifen den Druck erhöht und indirekt mit weniger Waffenlieferungen gedroht, sollte sich die Situation für die Menschen dort nicht binnen 30 Tagen spürbar verbessern. Israel müsse bewerkstelligen, „dass das Niveau der Hilfe, die in den Gazastreifen gelangt, von dem sehr, sehr niedrigen Niveau, auf dem es sich heute befindet, wieder ansteigt“, hieß es in einem Brief an die israelische Regierung.
Israel reagierte zumindest teilweise und vermeldete den Transport von Hilfsgütern in 50 Lastwagen. Es handele sich unter anderem um Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente, teilte die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Behörde Cogat mit.
WHA