Rettungskräfte bergen Leichen im Dorf Kana im Südlibanon, das auch von israelischen Luftangriffen getroffen wurde. © dpa
Beirut – Israel hat seine Luftangriffe im Südlibanon intensiviert und trotz Kritik der USA erstmals seit mehreren Tagen wieder den Süden Beiruts bombardiert. Die israelische Armee griff am Mittwochmorgen das schiitisch geprägte Viertel Haret Hreik im Süden der libanesischen Hauptstadt an. Knapp eine Stunde zuvor hatte das israelische Militär die Bewohner auf Arabisch im Onlinedienst X aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Bei weiteren Luftangriffen auf Ziele im Südlibanon wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums in der Stadt Nabatijeh mindestens sechs Menschen getötet – darunter offenbar auch Bürgermeister Ahmad Kahil. Nabatijeh ist eine Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz. Israel erklärte, unter den Zielen seien Kommandozentralen und Waffenlager der Miliz gewesen.
Auch die Hisbollah setzte ihre Attacken fort. Die israelische Armee teilte mit, in der Nacht zum Mittwoch seien rund 50 Geschosse aus dem Libanon auf Nordisrael abgefeuert worden. Einige davon seien abgefangen worden. Opfer meldete die Armee nicht. Die Hisbollah hatte zuvor erklärt, sie habe „eine große Raketensalve“ auf den Norden Israels abgefeuert. Am Mittwoch griff die Miliz nach eigenen Angaben zudem einen israelischen Panzer nahe dem Grenzdorf Ramia mit einem Lenkflugkörper an.
In Deutschland geht derweil der Streit um Waffenlieferungen an Israel weiter. Regierungssprecher Steffen Hebestreit bestätigte am Mittwoch, dass es seit März keine solchen mehr gab. Allerdings wurden heuer bereits Rüstungsexporte für insgesamt 45,7 Millionen Euro genehmigt. Ob es sich dabei auch um Kriegswaffen handelt, ist unklar. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte in Berlin: „Es gibt Lieferungen und wird auch immer weitere Lieferungen geben. Israel kann sich auf unsere Solidarität verlassen – jetzt und in aller Zukunft.“
Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte in einem Bericht, über Genehmigungen werde im Einzelfall und im Lichte der jeweiligen Situation entschieden. Dabei berücksichtige die Bundesregierung die Einhaltung des humanitären Völkerrechts sowie die aktuelle Lage in der Region.
Die US-Regierung hatte erst am Dienstag wegen der schlimmen humanitären Lage im Gazastreifen den Druck erhöht und indirekt mit weniger Waffenlieferungen gedroht, sollte sich die Situation für die Menschen dort nicht binnen 30 Tagen spürbar verbessern. Israel müsse bewerkstelligen, „dass das Niveau der Hilfe, die in den Gazastreifen gelangt, von dem sehr, sehr niedrigen Niveau, auf dem es sich heute befindet, wieder ansteigt“, hieß es in einem Brief an die israelische Regierung.
Israel reagierte zumindest teilweise und vermeldete den Transport von Hilfsgütern in 50 Lastwagen in das Gebiet. Es handele sich unter anderem um Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente, teilte die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Behörde Cogat mit.
WHA