Was aus den Merkelianern wurde

von Redaktion

Die wichtigsten Vertrauten der ehemaligen Bundeskanzlerin – und was sie heute machen

Helge Braun © Imago

Herrmann Gröhe © dpa (4)

Annette Schavan

Peter Altmaier

A. Kramp-Karrenbauer

Volker Kauder, inzwischen 75, war lange der Mann, der Merkels Fraktion führte. 2005 kam er ins Amt, organisierte fortan Mehrheiten und verteidigte später die Flüchtlingspolitik. Der am längsten amtierende Chef in der Geschichte der Fraktion wurde 2018 durch Ralph Brinkhaus gestürzt – die Abgeordneten ließen ihren Ärger über Merkel an Kauder aus. 2021 trat er nicht mehr an. Heute ist der Jurist Vorsitzender eines Lobbyvereins.

Helge Braun ist gefühlt schon ewig in der Politik – aber erst 52 Jahre alt. In Merkels letzter Amtszeit war der Gießener Chef des Kanzleramts. In der Opposition übernahm der Mediziner eine der wichtigsten Aufgaben, die die Unionsfraktion zu vergeben hat: Er führt den mächtigen Haushaltsausschuss. Kürzlich kündigte er an, nach 18 Jahren im Bundestag nicht mehr zu kandidieren. Es sei an der Zeit, „eine neue, interessante Gestaltungsaufgabe außerhalb der Politik anzustreben“. Welche, bleibt offen.
Ursula von der Leyen hat die größte Karriere gemacht. Merkel setzte sie mit Emmanuel Macron 2019 als Präsidentin der EU-Kommission durch, obwohl eigentlich Manfred Weber (CSU) als europaweiter Spitzenkandidat die Wahl gewonnen hatte. Von der Leyen war unter Merkel erst Familien- (2005–2009), dann Arbeitsministerin (2009–2013) und schließlich von 2013 bis 2019 als erste Frau Verteidigungsministerin. Im Frühjahr sagte die 66-Jährige über Merkel: „Wir haben heute noch Kontakt, und ich werde mein Leben lang Kontakt mit ihr halten. Ich habe vieles von ihr gelernt, auch was Standfestigkeit angeht.“

Annette Schavan (69) gilt als enge Merkel-Freundin. Ab 2005 war sie acht Jahre lang Bundesbildungsministerin, musste aber zurücktreten, weil sie ihren Doktortitel verlor. Sie fiel weich und wechselte als Botschafterin beim Heiligen Stuhl nach Rom. 2019 ernannte Merkel sie zur Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“. Heute lebt sie in Ulm.

Annegret Kramp-Karrenbauer war erst Kronprinzessin, später kühlte das Verhältnis stark ab. Die Ministerpräsidentin des Saarlandes wechselte 2018 als CDU-Generalsekretärin in die Bundespolitik, mit dem Ziel, Merkels Nachfolgerin zu werden. Noch im selben Jahr wurde sie CDU-Chefin, 2019 dann Verteidigungsministerin. Doch die ambitionierten Pläne schlugen fehl, sie stolperte über die Landtagswahl in Thüringen. 2021 verzichtete sie auf ihr Mandat. Heute ist die 62-Jährige seltener in der Öffentlichkeit, vor einer Woche musste sie im Afghanistan-Untersuchungsausschuss des Bundestags aussagen.
Steffen Seibert war viele Jahre der Erklärer der Merkel-Politik. 2010 holte die Kanzlerin den ZDF-Mann überraschend als Regierungssprecher ins Kanzleramt. Der gebürtige Münchner blieb bis zum Ende der Amtszeit 2021 an ihrer Seite. Auch heute steht der 64-Jährige in der Öffentlichkeit, seit zwei Jahren fungiert er als Botschafter in Israel. Spätestens seit dem Hamas-Überfall im Oktober 2023 und dem anschließenden Krieg kein leichtes Amt.

Hermann Gröhe (63) ist noch da, aber hört mit der Wahl nach 30 Jahren als Abgeordneter auf. Er war der Generalsekretär, der den 2013er-Wahlkampf für Merkel organisierte (satte 41,5 Prozent). Am Wahlabend rupfte sie ihm aber ein Deutschland-Fähnchen aus der Hand, das war ihr zu deutsch-tümelig und siegestrunken. Das Video geistert heute noch, in rechtsnationalen Kreisen, durchs Netz. Für Merkel diente Gröhe hernach als Gesundheitsminister und – Nebeneffekt – verhinderte bis 2018 den Aufstieg von Jens Spahn. Gröhe, evangelischer Christ, sagt über die Jahre neben Angela Merkel pathetisch, es sei „die Ehre meines Lebens“ gewesen.
Peter Altmaier (66) ist schon draußen. Bis 2021 war er neun Jahre in Merkels Kabinetten. Politisch lag er mit ihr meist auf einer Linie. Journalisten, die ihn als uneitlen Erklärer schätzten, beschrieben ihn als „Merkels Allzweckwaffe“. Auch als „Flüchtlingskoordinator“ ließ er sich 2015 einspannen und verliert noch heute kein böses Wort über den „Wir schaffen das“-Weg. Auch er ging 2021 in Würde. „Sorry für Fehler, macht’s gut & besser“, schrieb er auf seinem Lieblingsmedium Twitter.

Thomas de Maiziere (70), lange Innenminister, hätte einen restriktiveren Flüchtlings-Kurs gewollt, wagte Kritik aber nur intern und blieb strikt loyal. Auch noch, als Angela Merkel ihn 2018 nicht mehr ins Kabinett holte, sondern den CSU-Mann Horst Seehofer zum Innenminister machte. Auch de Maiziere ist seit 2021 im Ruhestand. Ein paar Ehrenämter (Stiftungen, Kultur, Kirche), dazu ein Buch über die Politik. Das einzig Kritische, was er je über Merkel schrieb: Sie sei „sicher auch nicht die beste Rednerin“ gewesen.

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