Die Auferstehung von Notre-Dame

von Redaktion

Die verjüngte alte „Liebe Frau von Paris“: Auch von außen sind keine Spuren des Großbrands mehr zu sehen. © AFP

Präsident Emmanuel Macron (Mi.) und seine Frau Brigitte besichtigten Ende November den neuen Dachstuhl. © EPA

Im Vordergrund der neue Altar. Gestaltet hat ihn der französische Designer Guillaume Bardet. © CHRISTOPHE PETIT TESSON/AFP

Lichterloh in Flammen stand am 15. April 2019 die weltberühmte Kathedrale auf der Seine-Insel in Paris. © Mallet/DPA

Pure Pracht: ein Blick in die neu gestaltete Kathedrale, die an diesem Wochenende wieder eröffnet. © STEPHANE DE SAKUTIN/AFP

Paris – Weinend standen die Menschen am 15. und 16. April 2019 am Seine-Ufer in Paris, während auf der Île de la Cité die Flammen aus dem Dach der prächtigen gotischen Kathedrale Notre-Dame schlugen. Das Inferno im Herzen der Stadt löste Bestürzung aus – weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. Als der 96 Meter hohe Vierungsturm vor den Augen der Welt einstürzte, wirkte es wie ein Menetekel für den Bedeutungsverlust der katholischen Kirche.

Dass das Versprechen von Präsident Emmanuel Macron, die gotische Kathedrale nach fünf Jahren wiederzueröffnen, an diesem Wochenende eingelöst wird, bringt Hoffnung und Zuversicht zurück: Für den erschütterten französischen Staat und seine Bürger, aber auch für die katholische Kirche in dem laizistischen Staat.

Macron lässt es sich nicht nehmen, die Wiedereröffnung an diesem Samstag staatstragend mit einer Rede auf dem Vorplatz der Kathedrale einzuleiten. Wenn am Sonntag beim Gottesdienst feierlich der Altar wieder geweiht wird, werden 150 Bischöfe aus Frankreich und anderen Ländern dabei sein. Dass das schwerst beschädigte gotische Meisterwerk nach 2063 Tagen seine Portale wieder öffnen kann, ist ein kleines Wunder. Eine gute Nachricht, die den nationalen Zusammenhalt stärken wird. Ein gewisser Stolz unter den Franzosen, dieses Mammutprojekt ohne große Verzögerung gestemmt zu haben, ist greifbar.

Bei Renovierungsarbeiten war das Feuer auf dem Dach der Kathedrale ausgebrochen. Die Flammen zerstörten auch den hölzernen Dachstuhl, Teile des Gewölbes und den Vierungsturm. Die Kosten für den Wiederaufbau belaufen sich bislang auf über 700 Millionen Euro. Geld, das über Spenden zusammenkam (siehe Kasten).

Auch Papst Franziskus freut sich über die Wiedereröffnung der Pariser Kathedrale. Gerüchte, das Oberhaupt der katholischen Kirche könnte zur Eröffnung nach Paris kommen, wurden jedoch vom Vatikan dementiert. Gleichwohl bezeichnete Franziskus die Wiedererrichtung des Gotteshauses als „mächtiges und prophetisches Zeichen des Herrn“. Das Ereignis sei ein Symbol für den Glauben und die Rolle der Kirche in Frankreich.

Es wäre nicht Paris, die Weltstadt der Mode, wenn nicht für die fast 2000 Bischöfe, Priester und Diakone, die an den Feierlichkeiten teilnehmen, neue liturgische Gewänder gefertigt würden – von einem berühmten Modedesigner. Der Stylist Jean-Charles de Castelbajac (74) hat sie entworfen. Jede Pfarrei der Erzdiözese Paris soll später einen Satz der Gewänder bekommen. Bezahlt wurden sie über ein Sponsoring.

Während Notre-Dame von außen so erscheint wie vor dem Inferno, sieht sie innen anders aus: strahlend hell und licht. Die von jahrhundertelangem Rauch geschwärzten Steine, Fresken und Malereien wurden gesäubert. Notre-Dame steigt schöner aus der Asche.

Philippe Jost, einer der führenden Köpfe des Wiederaufbaus, beschreibt die Restaurierung als einmaliges Erlebnis: „Für mich und für alle Handwerker und Gesellen, die auf dieser Baustelle gearbeitet haben, ist es etwas Einzigartiges, das uns für das ganze Leben prägen wird.“ Die aufgebotene Handwerkskunst und die Hingabe machten diesen Wiederaufbau zu einem wahren Zeugnis menschlicher Zusammenarbeit und Schöpfungskraft, schrieb „Vatican News“.

Es gibt auch einen deutschen Beitrag zum Wiederaufbau. Die Kölner Dombauhütte hat vier große Bleiglasfenster restauriert. Die Aktion hat fast 900 000 Euro gekostet. Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner besuchte Notre-Dame bereits beim Einbau der restaurierten Fenster. „Die Kirche hat sich innen sehr verändert“, sagt sie. „Sie ist sehr hell geworden. Sie sieht sehr elegant aus.“

Die Erste, die zurückgekehrt ist in die Kathedrale, war aber die mittelalterliche Marienstatue. Die Figur aus dem 14. Jahrhundert mit dem Jesuskind auf dem Arm war überraschend unversehrt geblieben. Es ist eine der symbolträchtigen Geschichten rund um den Brand. Für viele Gläubige war das Bild der unbeschädigten Madonna ein Hoffnungszeichen. Fünf Jahre später hat sich die Hoffnung erfüllt.
MIT KNA

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