Dieses Maxar-Satellitenfoto vom 10.12. zeigt einen leeren Hafen. Wenige Tage zuvor waren hier noch Kriegsschiffe. © AFP
Damaskus – Zieht Russland sich komplett aus Syrien zurück? Aktuelle Fotos der Firmen Planet und Maxar, die Satelliten zur Erdbeobachtung einsetzen, deuten darauf hin, dass der Rückzug begonnen haben könnte. So zeigen Bilder vom 5. Dezember noch Schiffe im Hafen von Tartus, auf Bildern vom 10. Dezember ist der Hafen leer.
Die Marinebasis Tartus an der syrischen Küste ist für Russland der einzige direkte Zugang zum Mittelmeer. Russische Schiffe tanken hier oder werden hier repariert. Zudem ist der Hafen wegen seines tiefen Wassers für Atom-U-Boote nutzbar. Sollte Russland Tartus aufgeben, müssten russische Schiffe eigene Häfen im Schwarzen Meer aufsuchen und dazu die türkische Meerenge nutzen. Ein erheblicher Umweg. Zudem ist Tartus militärisch von Gewicht, wenn es um Russlands Interessen im Nahen Osten und in Afrika geht.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sagte gestern, er kenne die Meldungen. Einen dauerhaften Rückzug der russischen Marine bestätigte er aber nicht. „Klar ist: Durch den Rückzug Russlands und durch das Zurücklassen des Assad-Regimes in dieser Situation wird deutlich, dass Russland sich ausschließlich, und zwar immer, auf sich konzentriert und auf die eigenen Interessen“, sagte der SPD-Politiker. „Deswegen kann man nicht ausschließen, dass das ein dauerhafter Rückzug ist.“ Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh erklärte, die USA hätten festgestellt, dass einige russische Marineschiffe und Streitkräfte Syrien verlassen würden.
Problematisch ist auch die Situation für Putins Luftwaffenstützpunkt in Hmeimim südlich von Latakia. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, sei er, nachdem Rebellen die Kontrolle über eine nahe Stadt übernommen hätten, faktisch abgeschnitten.
WHA