„Jeder kann sein Krebsrisiko senken“, sagt Dr. Hanna Heikenwälder. © Dominik Rößler
Unerklärliche oder anhaltende Schmerzen sind ein ernst zu nehmendes Warnsignal. © Panthermedia
München – Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. 230 292 Menschen starben im Jahr 2023 an einer der vielen Krebsformen. Die Vorgänge, die zu Krebs führen können, spielen sich in jedem menschlichen Körper ab. Risikofaktoren wie Übergewicht, ein ungesunder Lebensstil und zu wenig Bewegung schaden auch dem Immunsystem und können die Gefahr verstärken, dass Krebs ausbricht.
Doch die Forschung schläft nicht, und nahezu alle Krebserkrankungen haben inzwischen bei früher Erkennung sehr gute Heilungschancen, wie Dr. Hanna Heikenwälder, Krebsforscherin an der Technischen Universität München, betont. Für spät erkannte, fortgeschrittene und insbesondere metastasierte Fälle jedoch gilt das nicht. Umso wichtiger sind Prävention und Untersuchungen zur Früherkennung. Doch sollte auch jeder Einzelne auf sich selbst achten, appelliert Hanna Heikenwälder: „Selbstfürsorge kann Leben retten!“
In ihrem Buch „Krebs – Das Ende einer Angst“, das am 19. Februar erscheint, listet sie Krebssymptome auf. Wer eines von ihnen bei sich bemerkt, sollte vorsichtshalber zum Arzt, rät Heikenwälder. „Es kann ein Fehlalarm sein, etwa, wenn Blut im Stuhl durch Hämorrhoiden verursacht wird und nicht durch Darmkrebs. Doch steckt Krebs dahinter, kann die Fehleinschätzung tödlich sein!“ Damit Ihnen das möglichst nicht passiert, sollten Sie folgende Alarmsignale ernst nehmen.
■ Ungewollter Gewichtsverlust
„Wann immer Sie ohne ersichtlichen Grund abnehmen, ist Gefahr in Verzug“, warnt Heikenwälder. Auch Husten, der länger als drei Wochen anhält oder sich verschlechtert, ist ein beunruhigendes Symptom.
■ Verdauung
Anhaltender Durchfall, Verstopfung oder Blut im Stuhl oder Urin können auf Krebs im Darm, den Nieren oder der Blase hinweisen, ebenso Schmerzen beim Wasserlassen.
■ Schmerzen
Ungewöhnliche oder anhaltende Schmerzen über Wochen sollten abgeklärt werden, rät Hanna Heikenwälder. Bauch- oder Rückenschmerzen können auf Nieren- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs hinweisen.
■ Hautveränderungen
Veränderungen in der Hautfarbe, das Auftreten neuer Muttermale oder das Wachstum bestehender Muttermale können Anzeichen für Krebs sein. Weißlich belegte Wunden, die nicht abheilen, können auf weißen Hautkrebs hindeuten. Dunkle Muttermale mit einem unregelmäßigen Rand, die entzündet wirken oder bluten und an Größe zunehmen, deuten auf schwarzen Hautkrebs hin.
■ Augenveränderungen
Ein gelblich verfärbtes Augenweiß kann auf Leberprobleme hinweisen. Ebenso ein Gelbstich der Haut, der nicht durch einen hohen Gemüse- oder Beta-Carotin-Konsum erklärt werden kann.
■ Müdigkeit
Anhaltende Müdigkeit und starke Erschöpfung können ein Symptom für viele Krebserkrankungen sein. Ebenso Blässe und Blutarmut.
■ Schwellungen
Das Auftreten von Knoten oder Schwellungen in verschiedenen Körperbereichen, insbesondere an den Lymphknoten am Hals, in den Leisten oder im Bereich der Achseln sollte untersucht werden. Lymphknotenschwellungen, die in Zusammenhang mit normalen Infektionen und Erkältungen auftauchen, können schmerzhaft sein und sollten nach ein paar Wochen wieder zurückgehen. Bei Krebs sind sie meistens nicht schmerzhaft.
■ Appetitlosigkeit
Ein andauernder Verlust des Appetits kann ebenfalls ein Warnsignal sein. Ebenso sind ständiges Völlegefühl und Übelkeit ein Grund zur Beunruhigung.
■ Fieber
Anhaltendes oder wiederkehrendes Fieber ungeklärter Ursache kann auf eine Krebserkrankung hinweisen. Wiederkehrende nächtliche Schweißausbrüche oder Fieber ohne erkennbare Ursache können ein Indikator für Lymphdrüsenkrebs sein.
■ Schwierigkeiten beim Schlucken
Anhaltende Schwierigkeiten beim Schlucken können auf Speiseröhren- oder Magenkrebs hindeuten.
■ Veränderungen am Kropf
Plötzlich wachsende Verhärtungen, Knoten oder ein Kropf am Hals können ein Warnzeichen für Schilddrüsenkrebs sein.
■ Neurologische Störungen
Neu auftretende Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen, Krampfanfälle, Persönlichkeitsveränderungen und Erbrechen können auf Gehirntumore hinweisen.
■ Wucherungen
In der Brust können Knoten und Verhärtungen auf Brustkrebs hinweisen, ebenso eingezogene Hautareale, Rötungen und Orangenhaut. Übrigens: Etwa 50 bis 70 Prozent der Brusttumoren werden zufällig entdeckt, durch die Frau selbst oder durch den Partner – und dies sogar bei Frauen, die regelmäßig an der Mammografie teilnehmen. Blutungen außerhalb der normalen Regelblutung, bräunlicher Ausfluss und Unterleibsschmerzen sind Alarmsignale.
■ Schwierigkeiten beim Urinieren
Schwacher oder unterbrochener Urinfluss können auf Prostatakrebs hinweisen. Ebenso häufiges Wasserlassen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Blut in der Samenflüssigkeit oder im Urin kann auf Prostata-, Blasen- oder Nierenkrebs hinweisen.
■ Hodenverhärtung
Die Verhärtung oder Vergrößerung eines Hodens kann ein Indikator für Hodenkrebs sein.
Zum Buch
„Krebs – Das Ende einer Angst“ von Dr. Hanna Heikenwälder erscheint am 19. Februar bei mosaik, 400 Seiten, 24 Euro