Das Fasten hat heutzutage viele Gesichter

von Redaktion

München – Dem Brauch folgend lassen viele Menschen ab Aschermittwoch die Finger von Alkohol oder Süßigkeiten, andere verzichten auf Smartphone oder Auto. Die Tradition des Fastens kommt in den meisten großen Weltreligionen vor. Im Christentum dauert die Fastenzeit bis Karsamstag, heuer also bis zum 19. April. Sie wird teils auch Passionszeit genannt und soll an die Leidensgeschichte von Jesus bis zu seiner Kreuzigung erinnern, der an Karfreitag gedacht wird. Christen fasten in dieser Zeit für 40 Tage, Sonntage werden nicht mitgerechnet, sodass die Fastenzeit 46 Tage dauert.

■ Experte raten auch bei Medien zum Fasten

Heutzutage ist die Fastenzeit für viele eher eine Zeit allgemeiner Einkehr und Reflexion. Medienexperten empfehlen darüber hinaus eine „digitale Auszeit“, also den bewussten Verzicht auf Fernsehen, Computer und Smartphone. Angesichts des steigenden Medienkonsums und seiner Folgen stößt dies bei vielen Menschen auf Resonanz, auch wenn sie nicht religiös sind. Um Kinder und Jugendliche zum Medienfasten zu animieren, sollten Familien aber gemeinsam festlegen, welche Geräte an welchen Tagen und zu welchen Zeiten Pause haben sollen.

Nach einer Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit aus dem vergangenen Jahr halten rund zwei Drittel beziehungsweise 67 Prozent den Verzicht auf Genussmittel und Konsum für sinnvoll. Drei Viertel würden am ehesten auf Alkohol und Süßigkeiten verzichten. Rund die Hälfte der Befragten würde kein Fleisch mehr essen und das Rauchen aufgeben. In der Verzichtrangliste folgen Fernsehen, Smartphone und Medien sowie das Auto.

■ Was bringt das klassische Fasten eigentlich?

Beim klassischen Fasten, das nicht zwingend einen religiösen Hintergrund haben muss, wird für eine bestimmte Zeit völlig oder teilweise auf Essen verzichtet. Befürworter versprechen sich davon Wohlbefinden, „Reinigung von Körper und Geist“ – aber auch Gewichtsreduzierung sowie Entspannung. Wenn der Körper keine oder weniger Nahrungsenergie erhält, stellt er sich auf den sogenannten Fettstoffwechsel um. Der Organismus greift seine Energiereserven an, vor allem die körpereigenen Kohlenhydratreserven in Leber und Muskeln, Körpereiweiß und anschließend die Fettreserven.

Fasten aktiviert die körpereigene „Müllabfuhr“, die sogenannte Autophagie. Dadurch kann der Körper seine Zellen selbstständig reinigen, defekte oder schadhafte Moleküle werden abgebaut oder kleingehäckselt, und neue Energie wird gewonnen. Eine klassische Fastenkur dauert meist sieben bis zehn Tage. Grundsätzlich gilt dabei: viel trinken. Auch Bewegung ist bei einer Fastenkur wichtig, um Muskelabbau vorzubeugen. Gerade, wer strikt fasten will, sollte zuerst mit einem Arzt sprechen. Das gilt vor allem bei Vorerkrankungen. Kindern, Schwangeren und Stillenden wird vom Fasten generell abgeraten.

Wer abnehmen möchte, dem helfen Fasten oder vorübergehende Diäten indes nur bedingt. Wer dauerhaft Gewicht verlieren will, muss seine Ernährung grundsätzlich umstellen und sich ausreichend bewegen. Eine Möglichkeit ist das Intervallfasten, bei dem über einen langen Zeitraum tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet wird.

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