Elon Musk bringt Tesla auf Crash-Kurs

von Redaktion

Sägt Elon Musk am Erfolg von Tesla? Die Aktie bricht derzeit jedenfalls ein. © dpa

„Musk ist eine Ratte“: Auch in Boston kam es vor einem Tesla-Geschäft zu einer Anti-Musk-Kundgebung. © Ngowi/dpa

Bei Protesten in New York gegen Elon Musk nahm die Polizei am vergangenen Samstag mehrere Demonstranten fest. © AFP

Irvine, Kalifornien: Demonstranten hielten am Wochenende Tesla-Fahrern Anti-Musk-Plakate entgegen. © Frederic J. Brown/AFP

Washington/München – Am Anfang war Tom Blackburn extrem stolz auf seinen Tesla. Er kaufte ihn sich in knallrot, um damit aufzufallen. Das war vor etwa zehn Jahren. Doch seit Firmenchef Elon Musk kräftig in der US-Politik mitmischt, schämt sich der pensionierte Anwalt aus Virginia dafür, einen Tesla zu fahren. Seit einem Jahr ziert ein Aufkleber die Stoßstange. „Ich habe das gekauft, bevor ich merkte, dass er verrückt ist“ steht darauf – in Anspielung auf den Tesla-Chef Musk. Der 76-Jährige hat sich geschworen, nie wieder einen Tesla zu kaufen.

Trump nimmt Musk aus der Schusslinie

Musks rücksichtsloses und unberechenbares Vorgehen bei der Kürzung der Staatsausgaben sorgt zunehmend für böses Blut. Vieles von dem, was er in die Wege leitet, ist in den Augen seiner Kritiker unmoralisch oder illegal. Präsident Donald Trump bremst seinen politischen Zögling nicht ein, versucht stattdessen, ihn aus der Schusslinie zu bekommen.

Jüngst erklärte das Weiße Haus, nicht Musk, sondern Amy Gleason leite das für die Massenentlassungen zuständige Department of Government Efficiency, kurz Doge. Noch im November hatte Trump verkündet, dass Musk das Gremium leiten werde – und Musk selbst inszeniert sich, medienwirksam die Kettensäge schwingend, als der wahre Chef. Dass der 53-jährige gebürtige Südafrikaner, dem neben Tesla auch das Raumfahrtunternehmen SpaceX und die Social-Media-Plattform X gehören, die volle Kontrolle über Doge hat, ist wahrscheinlich.

Aktie sackt weg, Absatz bricht ein

Die Kritik an Musk könnte sich jetzt auf dessen Unternehmen auswirken – vor allem auf Tesla, eine Marke, die einst von progressiven Umweltschützern gelobt und gefeiert wurde. Elon Musk ist seit 2008 Tesla-Chef und machte die Marke, gemessen an der Marktkapitalisierung, zum wertvollsten Autobauer der Welt. In Deutschland hat Tesla seit 2022 ein großes Werk, die Gigafactory in Grünheide, nur rund 30 Kilometer von Berlin entfernt.

Im Dezember herrschte noch eitel Sonnenschein bei Tesla, die Aktie erreichte mit 461,10 Euro ein Allzeithoch. Seit Jahresbeginn befindet sich die Aktie aber auf einer rasanten Talfahrt, verlor rund ein Drittel an Wert. Das spiegelt sich auch in den Verkäufen: In Deutschland brach der Absatz im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 76,3 Prozent ein, nur noch 1429 Teslas wurden neu zugelassen. Ein ähnliches Bild in China. Dort verkaufte Tesla im Februar 30 688 E-Autos – 49 Prozent weniger als noch 2024. Und das, obwohl der Markt für E-Autos erneut gewachsen ist.

Es könnte noch schlimmer werden, denn die Proteste gegen Musk nehmen zu. Am Wochenende kam es in mehreren US-Städten vor Tesla-Filialen zu teils turbulenten Protesten und auch Festnahmen. Die Demonstranten schwenkten Schilder mit Aufschriften wie „Musk bestiehlt euch“, „Tesla finanziert Faschisten“, „Verkauft eure Teslas, schmeißt eure Aktien weg, schließt euch dem Streikposten an“, „Keine Diktatoren in den USA“ oder „Stoppt Elon“. Die Stimmung, sie heizt sich auf. In Littleton im US-Bundesstaat Colorado sabotierten Demonstranten eine Tesla-Ladestation mit einem Brandsatz. Auch international kommt die Anti-Tesla-Bewegung in Fahrt. Nahe der französischen Stadt Toulouse zündeten Aktivisten auf dem Hof einer Filiale ein Dutzend Teslas an. In Berlin schütteten Aktivisten blaue Farbe auf die Schaufenster einer Tesla-Filiale.

53 Prozent gegen Musk als Politiker

Wird der E-Auto-Gigant nun zum Sündenbock für seinen Chef, der über X gerne Verschwörungstheorien verbreitet und Rechtsaußen-Parteien wie die AfD unterstützt? Die Meinungen dazu sind geteilt.

„Ich denke, dass er langfristig der Marke und dem Geschäft schaden wird“, sagt der Marketingexperte Daniel Binns von Elmwood Brand Consultancy. Tesla müsse sich beim Marketing von Musk „distanzieren“ – andernfalls riskiere das Unternehmen, Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. „Die Marke ist auf so vielen Ebenen nicht auf ihr Publikum abgestimmt, und der Markt ist voll von fantastischen Wettbewerbern“, sagt Binns. Eine Umfrage der Quinnipiac University stützt seine These. Demnach lehnen 53 Prozent der Wähler Musks Regierungsbeteiligung ab, nur 39 Prozent befürworten sie. Besonders unter E-Auto-Fahrern schwindet sein Ansehen: 42 Prozent der befragten US-Bürger sehen Musk negativ, während nur 35 Prozent eine positive Meinung haben.

Anleger hingegen sehen noch keinen eindeutigen Beweis dafür, dass die Politik des Multimilliardärs dem Geschäft dauerhaft schaden wird. Die politische Aktivität Musks berge zwar das Risiko, dass weniger Verbraucher Tesla kaufen – „aber es ist noch zu früh, um eine Auswirkung auf das Unternehmen zu erkennen“, sagt der Aktienstratege bei Morningstar, Seth Goldstein.

Konkurrenz aus China setzt Tesla schwer zu

Dass nicht allein die Person Musk für den Tesla-Absturz verantwortlich ist, dafür gibt es Argumente. In China steht Tesla unter massivem Konkurrenzdruck. Im Reich der Mitte sind die Verkaufszahlen von E- und Hybridautos zuletzt in die Höhe geschossen. Davon profitieren jedoch vor allem dortige Hersteller wie BYD, dessen Absatzzahlen im Februar um 161 Prozent gestiegen sind. Chinesische Autos werden immer besser und günstiger. Mit Xiaomi hat Tesla einen neuen starken Konkurrenten. Der chinesische Elektronikkonzern ist der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt – und ins E-Auto-Geschäft eingestiegen. Im November 2023 kam das erste eigene Modell SU7 auf den Markt und wurde zum Verkaufsschlager. Im Sommer soll mit dem YU7 ein Mittelklasse-SUV folgen.

Für Europa sehen manche Experten einen möglichen Grund für den Absatzeinbruch darin, dass die Kunden auf die Einführung des überarbeiteten Tesla Y warten.

Der Musk-Effekt lässt sich also noch nicht klar quantifizieren. Und wie hart der Tesla-Absturz ihn persönlich beunruhigt, bleibt auch offen. Mit SpaceX besitzt Musk noch ein zweites großes Zugpferd, dem sein politisches Engagement für Trump lukrative Aufträge bringen könnte. Geschätzter Wert von SpaceX zuletzt: 350 Milliarden US-Dollar.

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