Hunde aus Hessen jagen Nashorn-Wilderer

von Redaktion

Die Deutschen Schäferhunde Janosch Risima und Dokas Hambana werden zu Spürhunden im Kampf gegen die Wilderei in Südafrika ausgebildet. © dpa

Griesheim – Dokas Hambana und Janosch Risima sind neugierig und verspielt. Die beiden Deutschen Schäferhunde toben im Garten. Ihre Namen bedeuten „Unterschied“ und „Bedeutend“. In Kürze beginnt für die beiden Vierbeiner und einen weiteren Belgischen Schäferhund die Lehre. Sie sollen zu Spürhunden von Nashorn-Horn ausgebildet werden und später Wilderern im Krüger-Nationalpark in Südafrika das Handwerk legen.

„Wir haben drei Hunde aktuell“, sagt die Hundetrainerin Perdita Lübbe-Scheuermann. „Zwei gehen im Herbst runter.“ Der Dritte dann Anfang kommenden Jahres. Mit diesen drei seien es dann zehn in Hessen ehrenamtlich ausgebildete Hunde, die an Toren zum Nationalpark Nashorn-Horn, aber auch zum Beispiel Munition erschnüffeln sollen.

Die Ausbildung zum Spürhund ist intensive Arbeit. Nashorn-Horn hat dieselbe Geruchsintensität wie ein Fingernagel. Für die Hunde jedoch kein Problem. „Drei, vier Monate muss man schon rechnen. Es geht ja erst mal darum, die Geruchsbilder zu festigen und dann natürlich alle möglichen Situationen, wo man was versteckt, dass man mit dem Hund dann absucht“, sagt der pensionierte frühere Ausbildungsleiter für das Diensthundewesen im Polizeipräsidium Mittelhessen, Volker Sirvend.

Nach der Übergabe in Südafrika kontrollieren die Hunde dann an Eingangstoren Fahrzeuge, um möglichen Wilderern auf die Spur zu kommen. Offizielle Zahlen des südafrikanischen Umweltministeriums zufolge wurden im ersten Halbjahr 2024 knapp 230 Nashörner gewildert. Für das Jahr davor sieht der World Wide Fund For Nature (WWF) eine besorgniserregende Entwicklung. 2023 seien offiziell knapp 500 Nashörner in Südafrika gewildert worden, elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hätten zu Beginn des 20. Jahrhunderts schätzungsweise 500 000 Nashörner auf der Erde gelebt, seien heute aufgrund der illegalen Jagd weniger als 28 000 in freier Wildbahn übrig. Im Krüger-Nationalpark habe man dank Enthornungsmaßnahmen erhebliche Fortschritte gemacht.

„Das sind die offiziellen Zahlen, inoffiziell sieht es anders aus“, ist sich Lübbe-Scheuermann sicher. „Sie finden die doch gar nicht, der Krüger-Nationalpark ist so groß.“ Es gebe viele Stellen, wo überhaupt keiner hinkomme und da werde dann gewildert. Auch Enthornung sei kein Allheilmittel. Die Tiere würden wegen des Resthorns dennoch getötet. Ein Kilo Horn als vermeintliches Heilmittel oder Prestigeobjekt bringe mehrere zehntausend Euro. „Es wird immer wertvoller, weil es immer weniger Nashörner gibt.“ Die Aktion „Rettet das Nashorn“ hat Lübbe-Scheuermann 2012 mit ihrem Mann ins Leben gerufen. Die nicht ganz billige Ausbildung der Hunde geschieht ehrenamtlich und muss über Spenden finanziert werden.
OLIVER PIETSCHMANN

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