Das neue Luxusleben über den Wolken

von Redaktion

Blick von oben in die neue Suite plus. © Peter Kneffel/dpa

First-Class-Schnitzel mit Rösti und Gemüsebouquet. © sc

So sieht die neue Business Class des Allegris-Programms der Lufthansa aus. © Kneffel/dpa

Per Knopfdruck lassen sich die Sitze der Suite in ein gemütliches Doppelbett umfunktionieren. © Michaela Stache/AFP

Mehr geht nicht: Eine Stewardess zeigt eine Suite plus der neuen Allegris-First-Class. © Michaela Stache/AFP

München – Der geniale Komiker Loriot hat vor fast fünf Jahrzehnten in einem Sketch konstatiert, der Mensch habe den Adler als König der Lüfte abgelöst, weil es ihm als einzigem Lebewesen gelinge, während des Fluges eine warme Mahlzeit einzunehmen. Beim Versuch, dies in der Enge einer Flugzeugkabine in die Tat umzusetzen, bleiben ein Blumenstrauß, eine Frisur, diverse Kleidungsstücke und jede Menge Würde auf der Strecke. Loriot flog Economy und ganz so eng ist es heute nicht mehr. Aber immer noch kein Vergnügen, vor allem auf Langstrecken.

Wer das nötige Kleingeld hat, kann es sich bei der Lufthansa deutlich bequemer machen – und künftig Langstrecken in den Suiten der neuen Ersten Klasse so komfortabel wie nie zuvor hinter sich bringen. Inklusive Essen wie im Edelrestaurant und Entspannung im Doppelbett. Der Kranich putzt sich heraus und will dorthin zurückfliegen, wo er nach eigenem Verständnis hingehört: ins Premium-Segment der Luftfahrt. Langstreckenflüge sollen dank ausgeklügelter Kabinenausstattung und Service von der Last zur Lust werden. „Allegris“ findet seinen Niederschlag zwar auch in Economy und Business, schöpft die Summe der Annehmlichkeiten aber in der neuen First Class aus, die Vorstandschef Jens Ritter jetzt am Münchner Flughafen vorgestellt hat.

Wer will, bekommt vom Rest des Fliegers nichts mehr mit

Gold und Protz, wie ihn etwa asiatische Fluglinien zur Schau stellen, sucht man in den Allegris-First-Class-Suiten vergeblich. „Das entspräche nicht unserer Marke“, sagt Ritter. Die Suiten, bis knapp unters Kabinendach abgetrennt, um Privatsphäre zu garantieren, strahlen eher gediegene Qualität aus. Doch alles, was den Flug angenehm macht, ist eingebaut, und zwar so, dass es größtmögliche Individualität verspricht, wie Kundenvorstand Heiko Reitz betont. Der Sitz, der sich per Knopfdruck vom Sofa zum Komfortbett wandelt, kann nach Wunsch beheizt oder gekühlt werden.

Wirkt schon die Einzelsuite mit 89 Zentimetern Sitzbreite geräumig, vermittelt die „Suite plus“, die man einzeln oder zu zweit buchen kann, ein neues Raumgefühl. Ihre zwei breiten Sitze lassen sich zu einem Doppelbett kombinieren. Eine verschließbare Garderobe, Stauplatz für den Trolley, individuell einstellbare Beleuchtung und ein ausgeklügeltes Entertainment-System mit großem Bildschirm, das Inhalte auf Wunsch auch vom Smartphone des Kunden abspielt: All das soll es leicht machen zu vergessen, dass man auf Reisen ist und nicht daheim.

Kabellose Noise-Cancelling-Kopfhörer blenden auf Wunsch sogar den Lärm der Turbinen aus. Die elfeinhalb Stunden beim Direktflug von München nach San Francisco sollen so wie im Flug vergehen. Das tun sie vielleicht auch deshalb, weil man bestimmt schon über dem Atlantik ist, bevor man in dem eigens dafür vorhandenen Touchpad-Tablet (Reitz: „Weit mehr als eine Fernbedienung“) zumindest die wichtigsten Funktionen der Hightech-Kabine durchgespielt hat.

Gestört wird der Fluggast dabei nicht, denn die Menüs werden dann gebracht, wann er es wünscht. Die Lufthansa spart hier nicht an Personal: Allein für die zwei Standard- und eine Plus-Suite, die im Airbus A350-900 installiert sind, stellt sie zwei Flugbegleiterinnen oder Flugbegleiter ab. Die servieren am großzügigen Tisch eine wechselnde Auswahl aus Fisch-, Fleisch- und vegetarischen Gerichten – auf Porzellan, weil nichts anderes zum Ambiente passen würde.

Solche Fürsorge hat freilich ihren Preis: Der Flug von München nach San Francisco, in der Economy für bis zu 2000 Euro zu haben, schlägt in der Business Class schon mit mehr als 6000 Euro zu Buche und kann in der Allegris First gern auch schnell 11 000 Euro oder mehr kosten – one way, versteht sich.

Ob die Klientel angenehm oder fordernd, womöglich kapriziös sei? Eine Flugbegleiterin antwortet lächelnd und diplomatisch: „Mal so, mal so.“ Natürlich habe die Kundschaft Ansprüche. Neben Geschäftsreisenden nutzen auch immer häufiger Privatleute die First Class. Reisende, die sich die Annehmlichkeit der Premiumklasse gönnen, denen es aber nicht in erster Linie um puren Luxus gehe, wie eine Flugbegleiterin erzählt. „Die wollen einfach ihre Ruhe haben.“

Die bekommen sie. Wer sich auf das Sofa der Suite sinken lässt und die Türe zuzieht, wähnt sich in einer anderen Welt, selbst wenn die Maschine nur auf dem Vorfeld steht. Die Nachbarsuiten scheinen weit weg, und dass sich weiter hinten ins Flugzeug um die 200 weitere Fluggäste quetschen wie einst Loriot, muss man sich erst einmal vergegenwärtigen.

Auch Loriot könnte es heute etwas bequemer haben

Auch in Business gibt es Suiten, die freilich nicht so hermetisch abgeschlossen sind wie in der First Class. Die Fluggäste können sechs Sitzoptionen buchen, vom 2,20-Meter-Bett über extra viel Freiraum und Arbeitsfläche bis zum Sitz mit Babyschale. Selbst Economy-Fliegern bringt Allegris – je nach Wunsch und Aufpreis – mehr Beinfreiheit, eine bessere Liegeposition, eine Armlehne, die man sich nicht mit dem Sitznachbarn teilen muss, oder die Möglichkeit, einen freien Nachbarsitz mitzubuchen.

Wenn eine Fluglinie einen 30 Millionen Euro teuren Airbus einen halben Tag lang aufs Vorfeld stellt, um die neue First Class vorzuführen, zeigt das, welch großen Wert die Lufthansa der Neuerung beimisst – und wie stolz man darauf ist. Das ist auch Ritter deutlich anzumerken. „Darauf haben wir seit Jahren gewartet“, sagt er mit Blick auf die Verzögerungen des Projekts durch die Pandemie. Es gehe jetzt wieder aufwärts: „Die Leute wollen fliegen, und sie sind bereit, für Premium zu zahlen.“

Bis Ende 2027 will die Lufthansa 61 neue Maschinen in Dienst stellen, laut Ritter die größte Flottenerneuerung in der Geschichte der bald 100 Jahre alten Fluggesellschaft. Und sie will ihr Image wieder verbessern, „Wir sind wieder auf dem Weg, Europas Premium-Airline Nummer eins zu werden“, sagt der Lufthansa-Chef. Die neue First-Class fliegt bereits in ersten Airbus-350-Jets. Buchbar ist sie für Flüge ab 30. März – von München aus auf den Direktflügen nach Shanghai, San Francisco und Chicago. Im Sommerflugplan kommen dann die Ziele New York–Newark, San Diego und Charlotte sowie Bengaluru (Indien) hinzu.

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