Mehr Meilen für lange und teure Flüge

von Redaktion

Bonusprogramm Miles & More wird umgebaut – vor allem in den oberen Klassen werden Prämienflüge wohl teurer

München – Es klingt so verheißungsvoll. Ein Bonuskonto füllt sich bei Einkäufen, Flügen oder beim Bezahlen des Mietwagens. Ist es genügend gefüllt, winkt ein günstiger First-Class-Flug nach Übersee. Traumhaft. Wie so oft im Leben ist die Realität etwas komplizierter. So auch beim Bonusprogramm Miles & More, mit dem die Lufthansa und ihr Netzwerk Kunden an sich binden will. Immer wieder mal ändern sich die Konditionen für die ausgelobten Prämien. Ab dem 3. Juni muss man sich wieder auf einige Neuerungen einstellen.

Wer beim Programm mitmacht, sammelt Meilen an, die für Flüge oder Einkäufe gutgeschrieben werden. Diese lassen sich gegen Prämien tauschen, etwa Flugtickets. Bisher kostete ein Prämienflug bei der Lufthansa, bei Austria Airlines, Lufthansa City oder Swiss eine von der jeweiligen Strecke abhängige Meilenzahl. Künftig orientiert sich der „Meilenpreis“ am realen Ticketpreis für die jeweilige Verbindung. Ist der kurzfristig geplante Trip nach New York nur teuer im Angebot, müssen Meilensammler dafür viele ihrer Meilen aufbringen. Liegt der Start noch in weiter Ferne und die Tickets sind vergleichsweise günstig, kommt der Sammler günstiger davon.

Miles & More sieht darin mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten beim Einsatz der Meilen. „Damit kann sich auch die Buchbarkeit von Flugprämien auf einigen Strecken verbessern“, verspricht die 1993 gegründete Lufthansa-Tochter. Das erwartet auch Moritz Lindner, Chef des Start-ups reisetopia.de und Experte in Sachen Bonusprogramm. „Grundsätzlich sollten sich die Verfügbarkeiten für Prämienflüge durch die Dynamisierung der Preise verbessern“, erläutert er und sieht trotzdem einen großen Haken. Denn für attraktive Verbindungen in den oberen Reiseklassen wie der Business Class werde der Meilenpreis wohl steigen. Dagegen rechnet Lindner mit einer größeren Verfügbarkeit in der Economy Class. Hier könnte das Einlösen von Meilen durch flexible Preise attraktiver werden. „In der Praxis zeichnet sich jedoch bereits ab, dass für attraktive Prämienflüge mit Austrian Airlines, Lufthansa, Swiss und Co. enorme Meilenbeträge nötig sein werden – ohne klare Obergrenze“, glaubt das Fachportal aerotelegraph.com. Dort wird auf Erfahrungen bei anderen Bonusprogrammen verwiesen. Wie sich die Änderungen bei Miles & More am Ende tatsächlich auswirken werden, bleibt einstweilen offen.

Es gibt ab Juni noch eine weitere Änderung, von der Meilensammler womöglich profitieren können. Bisher waren Prämientickets einheitlich ausgestattet. Sie enthielten eine Sitzplatzreservierung, Gepäck und eine Umbuchungs- oder Stornierungsoption. Künftig können Fluggäste auf diese Zusatzleistungen auch verzichten. Das sollte den Preis für die Flugtickets verringern.

Auch gehören die Meilenschnäppchen bald der Vergangenheit an. Sie werden mit Beginn der Neuregelung durch sogenannte Award Flights ersetzt, bestimmte Flüge für Meilensammler. Auch hier soll es flexible Preise geben.

Eine andere Änderung betrifft die über 30 anderen Airlines der Star Alliance. Hier bleibt es zwar bei fixen Meilenpreisen. Doch diese werden angepasst. Economy-Flüge innerhalb Europas werden damit günstiger. Für Fernflüge müssen die Kunden mehr Meilen aufbringen. Besonders stark fällt der Zuschlag in den Luxusreiseklassen aus. Dennoch kann sich Lindner zufolge die Teilnahme am Bonusprogramm noch immer lohnen. Durch die vielfältigen Möglichkeiten zum Meilensammeln könne man mindestens alle zwei Jahre einen Flug in der Business Class zusammenbekommen.
WOLFGANG MULKE

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