Erik Weihenmayer mit seiner Gruppe auf dem Weg zum Everest-Gipfel. © dpa
Kathmandu – Nepal bereitet sich in diesem Frühjahr auf besonders viele Bergsteiger am Mount Everest vor. Die Zahl der Genehmigungen zur Besteigung des höchsten Bergs der Erde liegt vor dem gewöhnlich größten Gipfelandrang Anfang Mai bereits höher als im vergangenen Jahr. Das geht aus den Zahlen der Tourismusabteilung des Ministeriums für Tourismus, Kultur und zivile Luftfahrt (DoT) hervor.
Bis Anfang vergangener Woche wurden demnach 427 Anträge aus 52 Ländern genehmigt – nach insgesamt 421 im vergangenen Jahr. „Das ist nicht die endgültige Zahl, da immer noch Bergsteiger eintreffen und Zulassungen beantragen“, sagte DoT-Sprecher Liladhar Awasthi in Kathmandu. Der Grund für den Anstieg seien nicht nur die individuellen Zeitpläne, sagte Mingma Sherpa vom Tourveranstalter Seven Summit Treks. Auch die geplante Erhöhung der Zulassungsgebühr spiele eine Rolle. Einige seiner Kunden warteten noch auf eine Genehmigung für die Vor-Monsun-Saison.
Der 8849 Meter hohe Mount Everest im Himalaya befindet sich an der Grenze von Nepal und China. Von beiden Ländern aus kann er bestiegen werden. Die Regierung Nepals will die Genehmigungsgebühren zur Everest-Besteigung für ausländische Bergsteiger von September an kräftig anheben. Die amtliche Gebühr von 11 000 Dollar, die derzeit für den Aufstieg über die sogenannte Südroute in der Hauptsaison anfällt, erhöht sich dann auf 15 000 Dollar (etwa 13 170 Euro).
Zudem liegt im nepalesischen Parlament ein Gesetzentwurf, wonach Kletterer künftig nachweisen müssen, dass sie früher schon einen Berg über 7000 Meter erfolgreich bestiegen haben, bevor sie die Zulassung für den Everest erhalten. Ob das neue Gesetz verabschiedet wird, gilt als unklar. In Expertenkreisen herrscht Skepsis. „Was ist der wirkliche Unterschied zwischen dem Besteigen eines 7000-Meter Gipfels und eines 8000-Meter-Gipfels?“, zitierte die Zeitung „The Kathmandu Post“ den früheren Präsidenten der Bergsteigervereinigung Nepals, Ang Tshring Sherpa. Auf beiden könne man sterben.
Die Gebühren sowie andere Ausgaben der Kletterer sind wichtige Einnahmequellen für das arme Land. In Nepal befinden sich einschließlich des Mount Everest acht der 14 Berge, die über 8000 Meter hoch sind. Die meisten Antragsteller für die diesjährige Vor-Monsun-Saison kommen aus den USA, gefolgt von Bergsteigern aus Indien und China.
Der Amerikaner Erik Weihenmayer, der 2001 als erste blinde Person den Mount Everest bestieg, äußerte sich unterdessen erschüttert über die Vermüllung der Himalaya-Region. „Der Mount Everest hat ein schreckliches Umweltproblem“, sagte der 56-jährige Abenteurer. Als er den Ama Dablam bestieg, hätten Menschen Säcke mit Müll von der Seite des Berges geworfen, berichtet Weihenmayer. Auf seine Frage, warum sie das taten, bekam er die Antwort: „Das ist ein Tal, wo niemand hingeht, also ist es okay.“ Dies habe ihn sehr entsetzt.