Klare Ansage: In Barcelona ist die Stimmung hitzig. © IMAGO
München – Wäre es nicht so ernst gemeint, könnte Protest gegen Touristen beinahe erfrischend sein. Als in Barcelona vergangenes Jahr der Unmut über Kurzzeitvermietungen auf der Plattform Airbnb anschwoll, griffen einige Einheimische zur Waffe. Zum Glück nur zur Wasserpistole, mit der sie Touristen auf der Straße anvisierten. Es war Hochsommer, doch die Abkühlung blieb abschreckend, denn begleitet wurde die kindliche Geste von offener Feindseligkeit und unmissverständlichen Parolen: „Tourists go home!“
Barcelona ist für den US-Konzern kein gutes Pflaster mehr. Im vergangenen Sommer kündigte der neugewählte sozialistische Bürgermeister Jaume Collboni an, bis November 2028 die mehr als 10 000 Lizenzen für Ferienwohnungen auslaufen zu lassen. Er verwies darauf, dass sowohl die Mieten (plus 70 Prozent) als auch Kaufpreise für Immobilien (plus 40) in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen seien.
Mit der Argumentation, man biete nur die Plattform, das eigentliche Geschäft betrieben andere, mache es sich Airbnb arg leicht, sagt Tourismusforscher Markus Pillmayer (Hochschule München). „Sie spielen eine große Rolle im Gesamtsystem.“ Das Unternehmen sei für die Preisexplosion maßgeblich mitverantwortlich.
Umgekehrt, sagt Pillmayer, halte sich seine Hoffnung aber in Grenzen, dass ein Verbot sich kurzfristig auf die Preise auswirke: „Dann habe ich nicht tausend neue Wohnungen.“ Er geht davon aus, dass Immobilien ein Spekulationsobjekt blieben, verkauft würden oder schlicht eine Weile leer stünden. Jürgen Schmude von der LMU empfiehlt den Blick auf Städte wie London, wo Kurzzeitvermietungen auf 90 Tage im Jahr begrenzt wurden. Sie dauerhaft auf den Markt zu bringen, werde da womöglich wieder lukrativ.
Mittlerweile wird das Geschäftsklima für Airbnb im ganzen Land rauer. Spanien hat die Löschung von fast 66 000 Anzeigen zur Vermietung von Ferienwohnungen angeordnet. In den vergangenen Monaten seien drei Anweisungen an die Europazentrale des Unternehmens ergangen, diese als illegal bezeichneten Anzeigen zu entfernen, teilte das Ministerium für Verbraucherschutz mit. Betroffen seien nur ganze Wohnungen, nicht Angebote einzelner Zimmer in der Wohnung des Vermieters.
Vordergründig geht es bei der Aktion um Formalien. Etliche Anzeigen würden keine Lizenznummer oder Registrierung bei den Behörden aufweisen, moniert das Ministerium. Bei anderen fehle die Angabe, ob es sich beim Vermieter um eine Privatperson oder einen gewerblichen Anbieter handele. Davon hänge wiederum ab, ob der Mieter Verbraucherschutz in Anspruch nehmen könne. Auch Anzeigen, bei denen die Lizenznummer nicht mit der von den Behörden vergebenen übereinstimmte, müssen gelöscht werden.
Der Vorgang ist mehr als nur eine Petitesse. Die Verschärfung erfolgt zu einer Zeit, in der die Wohnungsnot immer mehr an sozialer Sprengkraft gewinnt. Umso offensiver nimmt die Politik Airbnb ins Visier. Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy kündigte an, man werde „dem Chaos und der weitverbreiteten Illegalität der Touristenunterkünfte“ Einhalt gebieten.
Doch der Konzern gibt sich noch nicht geschlagen. Airbnb will sich gerichtlich wehren und kritisierte die „undifferenzierte Methodik“ des Ministeriums. Davon abgesehen sei es für die Durchsetzung der betreffenden Vorschriften gar nicht zuständig.MB