INTERVIEW

„Viele Gäste genießen es, mal so ganz ohne Kinder“

von Redaktion

Christine und Barbara Bartlechner betreiben ein Erwachsenenhotel, auch Mütter und Lehrer checken ein

Kinderfreie Erholung bieten Barbara (links) und Christine Bartlechner im „Hotel Bayern Resort“ an. © privat

Grainau – Seit 2015 führt Christine Bartlechner mit Tochter Barbara das „Hotel Bayern Resort“ in Grainau im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Drei Jahre später änderten die beiden das Konzept: Die Anlage mit ihren 25 Zimmern und Appartements ist seitdem ein reines Erwachsenenhotel. Das Mindestalter der Gäste ist 16 Jahre.

Warum haben Sie sich entschieden, aus Ihrem Hotel ein Erwachsenenhotel zu machen?

Christine Bartlechner: Wir sind auf einem kleinen Hügel und unser Problem waren von Anfang an die ganzen Sicherheitsvorkehrungen, zum Beispiel die Absicherung der Steinmauern, die es braucht, wenn Kinder hier herumspringen. Es kam dann tatsächlich mal zu einem kleinen Unfall, nichts Dramatisches zum Glück. Aber ein kleiner Bub ist von einem Stein gefallen. Das war ein Schreck und gab für uns den Anstoß, noch einmal über unser Konzept nachzudenken. Irgendwann haben wir uns gesagt: Lass es uns doch ohne Kinder probieren.

Wie haben Ihre Gäste damals reagiert?

Barbara: Wir haben einige Gäste verloren – und viele neue gewonnen. Die Gäste mit kleinen Kindern haben wir aber gut weitervermittelt, zum Beispiel an Nachbarn mit einem Bauernhof, die auch vermieten. Diese Gäste haben alle mit Verständnis reagiert, weil sie ja wissen, wie es ist mit kleinen Kindern. Ich habe selbst eine vierjährige Tochter. Wenn die sich mit Freunden trifft, ist es einfach laut und das soll und darf ja auch so sein. Für unser Hotel aber hatten wir eine andere Vision.

Christine: Ich hatte anfangs schon erwartet, dass wir kritisiert werden würden. Aber tatsächlich kam überhaupt nichts. Man muss aber auch sagen, dass es mittlerweile sehr viele Hotels gibt, die sich auf Familien spezialisiert haben. Und so sehe ich auch unseren Schritt: Wir haben uns spezialisiert, so wie das viele in der Branche machen: Es gibt Hotels für Gesundheitsbewusste und Sportler, Kunstfans, Motorrad- oder Fahrradfahrer. Und eben auch immer mehr Erwachsenenhotels.

Kommen die Gäste jetzt gerade wegen der kinderfreien Zone zu Ihnen?

Barbara: Von allen Gästen weiß man es ja nicht. Aber einige erzählen schon, dass sie es genießen, wenn mal keine Kinder um sie herum sind. Wir haben zum Beispiel sehr viele Mütter, die sich hier zu einem Mama-Wochenende treffen. In den Ferien kommen auch sehr viele Erzieherinnen und Lehrer, die es, wie sie sagen, genießen, wenn sie hier ihre Ruhe haben.

Christine: Es geht nicht gegen Kinder, es geht um die Ruhe, die wir bieten wollen. Wir haben jetzt einen Naturpool gebaut, der unseren Gästen als Ruhepol dienen soll. Wenn da aber zehn Kinder herumspringen, ist es mit der Ruhe schnell vorbei. Zudem ersparen wir uns die Diskussionen, warum Kleinkinder nicht in den Wellness-Bereich dürfen. 16 Jahre ist ein gutes Alter, da ist das alles kein Problem mehr.

Artikel 3 von 3