Bonn – Sechs Wochen Sommerferien – für Kinder oft die schönste Zeit des Jahres. Für Eltern können sie durchaus lang werden. „Gerade in den Ferien ist es wichtig, sogenannte Qualitätszeit einzuplanen“, rät Familientherapeutin Karin Staab im Bonner „General-Anzeiger“. Das müsse kein großer Ausflug sein; auch ein gemeinsames Gesellschaftsspiel wie Monopoly oder Schach könne eine intensive Zeit sein, so die Expertin aus Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis). Ferienzeit sei vor allem eine Beziehungszeit: „Es geht darum, die Verbindung innerhalb der Familie zu stärken, gemeinsam schöne Momente zu erleben und Erinnerungen zu schaffen.“
Bei gemeinsamen Aktivitäten gehe es weniger um das Was, sondern um das Wie – „nämlich gemeinsam, aufmerksam und präsent“, sagt Staab. Spielen, ein Ausflug in die Natur oder eine Bootsfahrt mit anderen Familien reichten völlig aus. „Das muss nicht perfekt sein. Ich sage immer: Weniger ist mehr. Man muss nicht nach Dubai fliegen.“ Diese Interaktion sei für die Kinder viel wertvoller als jede Bildschirmzeit.
Die Therapeutin empfiehlt mit Blick auf die Medienzeit von Kindern, Ausnahmen zuzulassen, aber weitestgehend konsequent zu bleiben. Staab: „Auch in den Ferien sollten die gleichen Regeln gelten wie sonst. Ich empfehle bei Grundschulkindern maximal 45 Minuten Medienzeit am Tag, bei älteren Kindern höchstens anderthalb Stunden.“ Einmal länger einen Film zu schauen, sei in den Ferien völlig in Ordnung. „Aber vier oder sechs Wochen nur Ausnahmezustand ist nicht gut für die Kinder.“ Kinder bräuchten Verlässlichkeit, auch in den Ferien. „Wenn alles beliebig wird, kann das Unsicherheit und Unruhe erzeugen.“
Eltern sollten zudem ihr eigenes Medienverhalten reflektieren, weil ihre Vorbildfunktion entscheidend sei. „Wenn sie ständig am Handy hängen, wirkt das wenig glaubwürdig“, so die Familientherapeutin.KNA