Schutzräume in Deutschland nicht einsatzbereit

von Redaktion

Ein Bunker mit Antennen im Allgäu. © IMAGO/Manfred Bail

München – Seit 80 Jahren herrscht Frieden in Deutschland. Völlig frei von Sorgen sind die Bundesbürger aber nicht: Anhaltende Spannungen in der Weltpolitik sowie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sorgen offenbar für Angst in der Bevölkerung. Hinzu kommt die Häufung von Drohnensichtungen mit unbekannter Herkunft, wie zuletzt am Münchner Flughafen. Für viele ein Grund, sich auch hierzulande näher mit der Ausweitung der eigenen Sicherheit auseinanderzusetzen. Eine Option sind Bunkeranlagen.

Aktuell wächst die Nachfrage nach Schutzräumen wieder. Deutsche Hersteller von Sicherheitsbunkern verzeichnen seit Jahresbeginn ein steigendes Interesse von Privatpersonen. Doch auch auf Firmenseite zeichnet sich ein Trend ab: „Unternehmen rufen bei uns an, weil sie für ihre Mitarbeiter Bunker auf dem Firmengelände haben wollen“, sagte der Technische Leiter von BSSD Defence in Berlin, Mario Piejde, der „Bild“-Zeitung. Selbst Vermieter erkundigten sich nach Schutzräumen für ihre Mieter. Zuletzt habe es seit dem Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum viele entsprechende Anfragen gegeben. Das Deutsche Schutzraum-Zentrum in Fürstenfeldbruck bestätigte den Trend. Nach den Ereignissen in Polen verzeichne man „eine erhöhte Anfrage nach Beratungsterminen“, zitiert „Bild“ einen Sprecher.

Nach Information des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn gibt es derzeit noch 579 öffentliche Schutzräume in Deutschland, die in Summe 478 000 Menschen Platz bieten. Zu Zeiten des Kalten Kriegs sei die Zahl erheblich höher gewesen. „Diese noch dem Zivilschutz gewidmeten Anlagen sind jedoch weder funktions- noch einsatzbereit“, schreibt das Bundesamt. Hintergrund sei die im Zuge der Friedensdividende im Jahr 2007 getroffene Entscheidung des Bundes im Einvernehmen mit den Ländern, „die funktionale Erhaltung der öffentlichen Schutzräume einzustellen und diese sukzessive aus der Zivilschutzbindung zu entlassen“. Die Mehrzahl der Schutzräume befindet sich dem Bundesamt zufolge entweder in Privateigentum oder im Eigentum von Städten und Gemeinden. Ferner seien die Anlagen im Bundesgebiet „sehr ungleich“ verteilt. Die ersten Schutzbauwerke hatte man in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs in Form von Hoch- und Tiefbunkern errichtet, heißt es aus Bonn. Nach Kriegsende im Jahr 1945 sei ein Teil der Anlagen gesprengt worden, während andere wiederum als Wohnraum dienten.

Aktuell ist das Schutzraumkonzept der Bundesregierung im Gespräch, das bis Ende 2025 vorliegen soll und auf die Sicherheit der Bevölkerung im Falle von Angriffen abzielt. Anstatt des Neubaus von Bunkeranlagen ist jedoch die Nutzung sowie eine Umwidmung der bestehenden Infrastruktur wie Tiefgaragen oder U-Bahnhöfen angedacht.AFP/KNA/FZ

Artikel 3 von 3