Das Tesla-Werk in Grünheide ist eine der wenigen erfolgreichen Fabrikgründungen der letzten Jahre. © Patrick Pleul/dpa
München – Große Neuansiedlungen waren in jüngerer Vergangenheit rar gesät. Doch warum gibt es aktuell so wenig Erfolgsmeldungen? Das haben wir Martin Gornig gefragt. Er leitet den Bereich Industriepolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Wir haben seit drei Jahren eine Industrierezession, da ist mit neuen Fabriken eigentlich gar nicht zu rechnen“, erklärt Gornig.
„Es gibt wenige erfolgreiche Einzelfälle, wie die Chipfabrik von Infineon und TSMC bei Dresden“, so der Ökonom. Sie ist eines von mehreren Leuchtturmprojekten, die mittels Subventionen die neuen Industrien stärken sollen: „Ich habe den Eindruck, dass es in den vergangenen zwei Jahren vor allem in Nord- und Ostdeutschland Ansiedlungspläne gab“, erklärt Gornig. „Das hat sicher mit dem reichlich vorhandenen grünen Strom, aber auch mit der Wirtschaftsförderung zu tun.“ Für das bekannte Tesla-Werk in Grünheide etwa wurden die möglichen Höchstsätze bezahlt. Viele der Hoffnungsträger sind aber gescheitert: Die Pläne von Intel, Wolfspeed und Northvolt fielen internen Schwierigkeiten zum Opfer.
Mit dem neuen BMW-Werk sollen jetzt auch in Bayern 1600 Arbeitsplätze in einer Zukunftsbranche entstehen. Martin Gornig: „Für Bayern spricht nicht, dass es sonderlich günstig ist. Aber hier konzentriert sich die deutsche Autoindustrie. Das heißt, man hat geringere Transportkosten, einen verbesserten Austausch und kann leichter Personal gewinnen.“ Davon könnte der Freistaat auch in Zukunft profitieren: „Es ist also wahrscheinlich, dass auch künftige Investitionen der Autoindustrie in bestehende Zentren wandern.“
Und wie geht es jetzt weiter? „Ich bin mir sicher, dass die Lage der Industrie besser wird. Ob es so gut wird, dass wir signifikant mehr Ansiedlungen sehen, muss sich zeigen“, sagt Gornig. Er warnt davor, den Mittelstand zu vergessen: „Viele Ansiedlungen schaffen es gar nicht in die Medien. Es gibt auch Industriebetriebe mit 20 Mitarbeitern.“MAS