Der Eurofighter: 138 hat die deutsche Luftwaffe aktuell. © dpa
München – Wer das einmal gesehen hat, vergisst es nicht mehr: Die Turbine heult hoch, dann lösen sich die Bremsen. Das Flugzeug rollt an, wird immer schneller, hebt ab. Senkrecht schießt der Eurofighter Richtung Himmel, wobei er sich spielerisch um die eigene Achse dreht. Dass ein derartiges technisches Meisterwerk mit maßgeblicher Beteiligung Deutschlands möglich wurde, ließ sich nicht absehen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs lag das Wissen über den Bau von Raketen- und Turbinenantrieben zwar weitgehend bei deutschen Herstellern: Junkers, Dornier, Heinkel, Messerschmitt, BMW. Die Siegermächte bedienten sich aber nach Gutdünken. Sie warben Ingenieure ab, verschleppten ganze Konstrukteur-Teams, beschlagnahmten Pläne oder Prototypen. Nichts blieb in Deutschland zurück.
Dazu muss man wissen: Die Anforderung an Kampfflugzeuge sind fundamental andere als an zivile Maschinen. Kampfjets müssen maximal wendig sein. Das geht zulasten der Stabilität. Moderne Maschinen können Piloten ohne Rechner-Unterstützung gar nicht mehr in der Luft halten. Verkehrsflugzeuge sind dagegen so konstruiert, dass sie immer wieder in eine stabile Fluglage zurückkehren, wenn man sie nicht mit Gewalt daran hindert.
Das Strahltriebwerk BMW 018 sollte einmal die Junkers 287 antreiben, einen Nazi-Bomber mit seltsam nach vorne gespreizten Flügeln. 1944 machte ein Prototyp einen ersten Testflug, das Kriegsende beendete die Entwicklung des Fliegers – nicht aber des Triebwerks. Der Konstrukteur Hermann Oestrich ging nach Frankreich und entwickelte aus dem BMW-Triebwerk immer weiter verbesserte Motoren, die im Jagdflugzeug Mirage zum Einsatz kamen. Die Antriebstechnik bis hin zur aktuellen Dassault Rafale hat ihre historischen Wurzeln bei BMW.
Nach Deutschland zurück kam der militärische Flugzeugbau mit dem Starfighter. Rund 200 der fast 1000 von der Bundesluftwaffe eingesetzten F104G wurden nicht bei Lockheed in den USA gebaut, sondern unter anderem bei Messerschmitt (später MBB) in Deutschland. Das Triebwerk (General Electric J 79) wurde auch in München gefertigt. Dort, wo BMW schon vorher Flugmotoren baute, dem heutigen Sitz der MTU. Ob ohne diese Lizenzfertigung wieder eine eigene deutsche Triebwerksproduktion möglich geworden wäre, ist fraglich. MTU war maßgeblich am Bau der Triebwerke für den Tornado beteiligt. Das Triebwerk EJ 200 für die deutschen Eurofighter kommt auch aus München.MARTIN PREM