Plastik oder Natur – auch eine Frage der Ökobilanz

von Redaktion

Christbäume aus Kunststoff kommen meist aus China und belasten die Umwelt in der Regel mehr als ein Naturbaum

Weihnachtsbäume aus Kunststoff stehen in einem Baumarkt zum Verkauf. © pa

München – Alle Jahre wieder kommt der Christbaum in die gute Stube – und das nicht erst an Heiligabend. Immer mehr Deutsche, mittlerweile rund 30 Prozent, stellen ihren Baum bereits Anfang Dezember auf. Die Zahl bezieht sich auf diejenigen, die sich einen echten Baum kaufen. Diese Konkretisierung ist deshalb wichtig, weil das mit dem Naturbaum gar nicht mehr so selbstverständlich ist. Christbäume aus Plastik, noch vor zehn Jahren eine Randerscheinung, haben an Zuspruch gewonnen. Zwischen 20 und 25 Prozent der Deutschen feiern Weihnachten mit einer künstlichen Tanne – vor allem aus ökologischen Gründen.

Aber sind die Plastikbäume tatsächlich umweltfreundlicher? Wissenschaftler haben die Öko-Bilanzen zwischen Kunst- und Natur-Christbaum verglichen und kommen zu folgendem Ergebnis: Nur wenn der Kunstbaum viele Jahre hintereinander genutzt wird, hat er eine bessere Ökobilanz als der Naturbaum. Einige Studien gehen von mindestens zehn Jahren aus, andere von 17 bis 20 Jahren. So lange sind viele Kunstbäume aber nicht haltbar – oder sie werden vorher entsorgt, weil sie nicht mehr gefallen.

Die Forscher führen mehrere Gründe für die schlechte Öko-Bilanz der Plastikbäume an. Das geht los bei der Herstellung. Vier von fünf Plastikbäumen werden in China hergestellt. Bei der Plastikproduktion werden fossile Rohstoffe wie Kohle oder Öl eingesetzt, sind die Bäume aus minderwertigem PVC hergestellt, wird giftiges Chlorgas benötigt. Der lange Transportweg, meist auf Schiffen, schlägt ebenfalls negativ zu Buche.

Von den jährlich rund 25 Millionen verkauften Weihnachtsbäumen in Deutschland stammen die meisten aus dem konventionellen Anbau. Hier wird die Ökobilanz vor allem durch chemische Düngung und den Einsatz von Pestiziden belastet. Bio-Weihnachtsbäume haben eine bessere Bilanz, sie spielen im Verkauf allerdings bisher kaum eine Rolle. Die Aktionsgemeinschaft Robin Wood schätzt den Marktanteil von Bio-Christbäumen in Deutschland auf 0,6 Prozent.

Und wie sieht’s mit einem Weihnachtsbaum im Topf aus? Dieser kann, bei richtiger Pflege, Bewässerung und Düngung durchaus eine Alternative sein, wenn er denn mehrere Jahre hält. Aber hier liegt das Problem. Oft gehen die Bäume im Topf kaputt, weil sie den Wechsel zwischen Kälte und Wärme nicht gut vertragen. Hier brauchen sie Zeit für die Akklimatisierung.

Wichtig ist außerdem, dass die Bäume von Anfang an im Topf gezogen wurden und nicht bis kurz vor dem Eintopfen im Freiland standen. Allzu oft werden beim Ausgraben die empfindlichen Wurzeln beschädigt und der Baum geht ein. Vorsicht auch bei der Wahl des Nadelbaums. Fichten, die flach wurzeln, sind sehr viel besser für den Topf geeignet als Tannen, die eine tiefe Pfahlwurzel bilden. BEATRICE OSSBERGER

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