Der Elon Musk des Spätmittelalters

von Redaktion

Die Lilie prägt das Wappen der Linie „Fugger von der Lilie“. © Picture Alliance

Auch als Statue ist Jakob Fugger noch in Augsburg präsent. © Picture Alliance

Die Fuggerei ist noch heute ein Wohnviertel für bedürftige Menschen. Sie beten bis heute für den Erbauer. © imago

Ein brillanter Strippenzieher: Der Augsburger Jakob Fugger auf einem Gemälde von Albrecht Dürer. © epd

Augsburg – Statt „Reich wie Krösus“ hätte sich leicht die Redewendung „Reich wie Jakob Fugger“ im deutschen Sprachgebrauch entwickeln können. Auch vor Tesla-Gründer Elon Musk hätte er sich nicht verstecken müssen. Der Augsburger Kaufmann erhielt wegen seines gewaltigen Vermögens den Beinamen „der Reiche“. Jakob Fugger (1459–1525) schuf aus einem Familienunternehmen ein Handelsimperium, das sich von Portugal und Spanien über den deutschen Sprachraum und Italien bis nach Ungarn erstreckte. Wichtige Handelsrouten reichten per Schiff über das südliche Afrika oder die arabische Route bis nach Indien. Die Fuggers waren eine Bank für Könige und Päpste, politisch zog Jakob Fugger die Strippen an mehreren Höfen Europas und hatte Einfluss bis in den Vatikan.

Jakob Fugger war das zehnte Kind einer wohlhabenden Augsburger Weber- und Kaufherrenfamilie. Er gehörte der Linie „Fugger von der Lilie“ an. Die andere Linie „Fugger vom Reh“ war anfangs auch erfolgreich, ging dann aber pleite, als der Habsburger Erzherzog Maximilian I. (1459–1519) einen Großkredit schuldig blieb.

Ganz anders die Lilien. Jakob Fuggers Vermögen von 2,1 Millionen Gulden wird umgerechnet auf die heutige Zeit auf etwa 400 Milliarden Euro beziffert. So hat es der Autor Greg Steinmetz in seinem Buch über „den reichsten Mann der Weltgeschichte“ ausgerechnet. Damit stellt er auch die Superreichen von heute in den Schatten. Nur Elon Musk überflügelt ihn inzwischen je nach Aktienlage.

Fuggers Erbe wirkt bis heute in seiner Heimatstadt. Läuft man durch Augsburg, trifft man an vielen Brunnen, Gebäuden und Kirchen auf die Lilie – das Wappenbild der „Fugger von der Lilie“. Ein Touristenziel ist die 1521 von Jakob Fugger gestiftete Fuggerei – eine der ältesten Sozialsiedlungen der Welt. Laut den Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen leben heute rund 150 bedürftige katholische Augsburger in den kleinen Häusern. Als Kaltmiete müssen sie im Jahr 88 Cent zahlen, ein Betrag, der sich an der ursprünglichen Miete von einem Rheinischen Gulden orientiert. Dazu kommt, dreimal täglich für das Seelenheil Jakob Fuggers und seiner Familie zu beten: Vaterunser, Ave Maria, Glaubensbekenntnis.

Die Ursprungsidee für die Fuggerei war, arme Augsburger zu unterstützen, bis diese wirtschaftlich wieder auf eigenen Füßen standen. Sich ums Gemeinwohl zu kümmern, habe in Adelskreisen zum guten Ton gehört, sagt der Experte für Augsburger Stadtgeschichte Martin Kluger. Letztlich sei es Fugger aber um sein eigenes Seelenheil gegangen. „Jakob Fugger wollte sich einen Platz im Himmel sichern.“ Sein Glaube: Je mehr Fürbitten es für ihn gebe, desto schneller entkomme er dem Fegefeuer, das nach damaliger Auffassung Kaufleuten wegen ihres Gewinnstrebens bevorstand.

Doch wie gelang es Fugger, im ausgehenden Mittelalter einen weltweiten Konzern zu schaffen? „Jakob Fugger war ein begnadeter Netzwerker“, sagt Kluger. Den Grundstein legte bereits sein Großvater, der Webermeister Hans Fugger. Jakob Fugger sei also in ein florierendes Unternehmen und in die gehobene Augsburger Schicht hineingeboren worden, sagt Kluger. Er habe eine Kaufmanns-Ausbildung in der damaligen Handelsmetropole Venedig genossen.

Ab 1510 leitete Jakob nach dem Tod seiner Brüder Ulrich und Georg das Familienunternehmen allein. Die Firmenpolitik, das über ganz Europa verzweigte Haus Habsburg mit den Kaisern Maximilian I. und Karl V. zu unterstützen, behielt er bei. So bekam er Zugang zum Bergbau mit Silber und Kupfer, Quecksilber und Zinnobererz – wichtige Rohstoffe für die Herstellung von Münzen, Waffen sowie für den Schiffs- und Instrumentenbau.

Die Fugger waren am Kolonialismus beteiligt, importierten aus Afrika, Asien und Südamerika Luxuswaren wie Guajakholz, das als Heilmittel gegen die grassierende Syphilis galt. Der Vergleich mit Elon Musk, findet Kluger, passe wegen des Reichtums und politischen Einflusses beider Männer ganz gut. Die Fugger hätten Kaiser, Könige und Päpste mit Krediten versorgt – und so die europäische Politik mitbestimmt.

Jakob Fugger liegt bestattet neben seinen beiden Brüdern Georg und Ulrich in der Gruft der Fuggerkapelle, die er als Familiengrabstätte bauen ließ.

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