Ein in Deutschlands Kirche einzigartiger Ort

von Redaktion

Jakob Fugger ließ in der evangelischen Annakirche eine katholische Kapelle bauen, in der er auch beigesetzt ist

Katholisch-evangelische Fusion: Die Innenansicht der Annakirche mit Fuggerkapelle und Orgel. © imago

Augsburg – Jakob Fugger wollte sich auch nach seinem Tod in guten Händen wissen. Ab 1509 ließ der strenggläubige Katholik die prächtige Fuggerkapelle in St. Anna in Augsburg als Familiengrabstätte bauen. Fertiggestellt wurde die Kapelle in den Wirren der Reformation, sehr zum Missfallen Fuggers, der „ganz wider die Lutherei“ war, wie es auf der Homepage von St. Anna heißt. Am 25. Dezember 1525 wurde in St. Anna das erste evangelische Abendmahl gefeiert. Nur fünf Tage später, am 30. Dezember vor 500 Jahren, starb Jakob Fugger. Der strikte Reformationsgegner fand ausgerechnet in einer evangelischen Kirche seine letzte Ruhe.

Bestattet sei er aber nach katholischem Ritus, sagt der evangelische Pfarrer der Annakirche, Dekan Frank Kreiselmeier. Die Fuggerkapelle selbst ist bis heute katholisch und wird von der Fuggerschen Stiftungs-Administration verwaltet. Die Augsburger Annakirche ist damit eine absolute Besonderheit: Simultankirchen, die gemeinsam von Katholiken und Evangelischen genutzt werden, gibt es inzwischen zuhauf. Eine evangelische Kirche, in der eine katholische Kapelle untergebracht ist, dürfte aber einzigartig in Deutschland sein.

Jakob Fugger habe in seinem Testament vorsorglich festgehalten, dass die Fuggerkapelle in ihrem Wesen und ihrer religiösen und baulichen Gestalt erhalten bleiben solle, sagt Sophie Dost von den Fuggerschen Stiftungen. Über eine Stiftung sei die Kapelle der Familie Fugger zugeordnet und damit ein „geschützter Raum“ geblieben. Über die Jahrhunderte habe sich ein erstaunlich flexibles Miteinander entwickelt. So durfte die evangelische Gemeinde die Orgel nutzen und zeitweise sogar den Kapellenraum. Und Mitglieder der Familie Fugger nehmen bis heute regelmäßig an wichtigen Gottesdiensten und Veranstaltungen in St. Anna teil.

Die Annakirche war ursprünglich katholisch. 1321 erbauten Karmeliten ein Kloster und eine Kirche, die über die Jahrhunderte erweitert wurde. Während der Reformation spielte St. Anna eine wichtige Rolle: Im Oktober 1518 wurde der Augustinermönch und Reformator Martin Luther (1483–1546) nach Augsburg zitiert. Dort sollte er in den Fuggerhäusern vor dem päpstlichen Gesandten Kardinal Cajetan seine 95 Thesen, in denen er kirchliche Missstände anprangerte, widerrufen. Luther weigerte sich. Während seines knapp zweiwöchigen Aufenthalts in Augsburg wohnte er im Karmelitenkloster St. Anna. Daher dürfte er auch die Fuggerkapelle zu Gesicht bekommen haben.

Die Fuggerkapelle ist einer der ersten Renaissance-Bauten Deutschlands, die Entwürfe stammen von Albrecht Dürer. Renovierungskosten, wie etwa bei der letzten Generalsanierung der Kapelle im Jahr 2009, trägt grundsätzlich die Familie Fugger.CHRISTIANE RIED

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